Die Abenteuer des HE-DA-PA (Dez. 2004)
Schon länger träumten wir davon, Südamerika zu durchqueren und die Atakamawüste zu beschnuppern, was uns fehlte, war Zeit. Fünf Wochen sind nötig, um allen Wünschen zu entsprechen. Die Fahrt bis zum Fusse der Anden und wieder zurück nimmt 1 Woche in Anspruch, 3 Wochen in unserem Häuschen in Südchile und 1 Woche zum Herumschnüffeln. Dabei ist die Fahrt durch die Weiten Brasiliens und Argentiniens immer interessant und erinnert uns immer wieder an die Kraft und den Wohlstand, der im “Inneren“ dieser Länder steckt, ganz im Gegensatz zu den verwahrlosten Vororten der Grosstädte. Keine Zeitung erzählt von den fleissigen zähen Bauern, die dort zurückgeblieben sind, starke gastfreundliche und hilfsbereite Menschen. Die “El Dorados“ mit Fernsehen und leichtem Leben sind wie ein Magnet, dem nicht zu entkommen ist, verschlossene Gesichter und aggressive Fahrer sind dort auf dem Boden der Enttäuschung nur zu gut gediehen.
Als Mitte November die Betriebsferien über Weihnachten und Neujahr bekannt gegeben wurden und wir auf unserer wöchentlichen Fahrt nach Hause unsere alljährlichen Chile-Ferien-Pläne schmiedeten, kam uns ganz plötzlich, wie ein Lichtstrahl der Gedanke ... die nötige Zeit ist da! Zwei Wochen vor den Ferien plus eine danach ergaben 5, so würde ich nur 3 Wochen meinen Cybernetik-Kriegern fern bleiben, da konnte nichts schiefgehen. HE war Feuer und Flamme, sofort begann sie mit der Organisation der 7 Wochen Abwesenheit von zu Hause, Weihnachten in Puntiagudo, Reisekleidung für die Hochkordillere und Patagonien, plus Reisepicknick. Ich beschäftigte mich intensiv mit der Vorbereitung von PA, der uns über 4000 Meter hohe Pässe in einer Gesammtstrecke von über 12.000 Km tragen sollte. Mehrere Stunden verbrachte ich im Internet um herauszufinden, welcher wohl der beste und interessanteste Weg nach San Pedro de Atacama wäre. Keine Reisebeschreibung war aufzufinden, nur in den Abenteuer-Reiseangeboten in Salta gab es die Angabe, dass um 7 Uhr morgens die Abfahrt und um 7 Uhr die Ankunft in San Pedro ist, gespickt mit herrlichen Aufnahmen des Andenhochlandes. Mittagessen in San Antonio de los Cobres. Die schlechten Landkarten gaben nur eine Auskunft: die Grenzpasshöhe, meistens Schotterstrasse und eine 500 Km-Strecke. Also wählte ich, gedenken unseres Alters und Unerfahrung in grossen Höhen, den Grenzpass Sico mit 4100 Metern (Die anderen waren alle über 4500).
Die darauffolgenden Wochen verflogen im nu und so starteten wir dan am Freitag, dem 3 Dezember um 14:00 Uhr in São Paulo. Unser Ziel war Fazenda Macae, um dort bei meinem Bruder zu übernachten.
1er Tag, Freitag.
Der Shopping Morumbí war unser Startpunkt, HE versuchte noch ein paar argentinische Pesos zu kaufen. Nach diesem fruchlosem Bestreben blieben wir erstmal im Stau der überlasteten Strassen stecken. Langsam ereichten wir die erste Autobahn, die uns ins Innere des Landes und weiter, weiter.. bis in die Salpeterwüste tragen würde. Die Sinne waren wach, voll von unbeantworteten Fragen: Wie sind wohl die Strassen, wie erträgt unsere tapfere 4X4 Pa wohl die Höhe, haben wir wohl die nötigen Ersatzteile mit? Unsere Reisestrategie ist einfach: Steh früh auf, fahre nie in der Nacht, nach 2 Stunden Fahrerablösung.
Bei einer uns gut bekannten grossen Raststätte, die erstklassigen “cafezinho“ braut, halten wir an. Pipi-pause, cafezinho und 2 kg Kaffeebohnen werden eingekauft. Die PA ist vollgeladen mit allem möglichen Nötigen und Unnötigen, sogar die hinteren Sitze sind nach vorne geklappt, um einem zweiem Ersatzreifen Platz zu machen und unter den Sitzen sind 15 Liter erstklassiges Motorenöl untergebracht, PA muss gut versorgt sein. Griffbereit ist ein Styroporkästchen in dem sich Butter, Käse, Marmelade, Brot, Aufschnitt und kühles Mineralwasser befinden. Für den Notfall gibt es ein Zelt und Schlafsäcke. Dicke Jacken, Pullover und Socken sind auch zu finden, da über 4000 Meter die Temperatur stark unter den Nullpunkt fällt (wie weit konnten wir nicht erfahren, es heisst nur “es wird sehr kalt“). Griffbereit ist das “Nötigste“ für das Absteigen in Hotels. Im Moment war es heiss, sehr heiss.
Am Spätnachmittag kamen wir in Macae an, alles war so grün.. grün.. Der Tukan und die Hunde hüpften lustig herum und ein Spaziergang bis zu den Kühen tat gut nach dem vielen Sitzen und anstrengenden Tagen in São Paulo.
Abends fuhren wir noch nach Baurú, um dort zur Abschiedsfeier „churasco“ zu essen. Wie immer lässt man sich von den leckeren brutzelden Fleischstücken, die an uns vorbeigetragen wurden, verleiten. Das treibt natürlich den Durst und das Bier war sooooo.. schön kühl... Kurz vor Mitternacht sanken wir in die Betten.
2er Tag, Samstag
Um 5:15 klingelt der Wecker. Es ist noch dunkel. Leise bereiten wir uns ein Frühstück und brechen auf, nicht mal die Hunde erwachen. Als wir die PA starten und abfahren kommt noch Edith auf die Terrasse und winkt zum Abschied.
Unser heutiges Ziel ist El Dorado in Argentinien, im State Missiones, 100 Km weiter als die Iguazú Fälle, die wir bereits kennen. Unseren GPS, den ich auf unserem Schiff Azurita zur Navigation brauche, habe ich mitgenommen und unsere Reiseziele in ihm registriert. Es ist sehr beruhigend, immer die Richtungsangabe zu haben, nicht immer sind die Wegweiser da. Auch zeigen diese Instrumente mit absoluter Genauigkeit den Sonnenaufgang und -untergang, sowie die Entfernung zum Zielort, so das wir immer unsere Ankünfte richtig planen konnten. Zirka 800 Km sind heute zu fahren. Noch gibt es hin und wieder ein bischen Bodennebel, die Luft ist kühl und angenehm. Zuckerrohranbau wird bald von Soja abgelösst. Hin und wieder Getreide, wenig Kaffee. Die Strasse senkt und hebt sich in der hügeligen Landschaft, blühende Flamboians und Mangobäume, an denen grüne Früchte hängen, fliegen an uns vorbei. Wenig Verkehr, gute Strassen, wir kommen sehr gut vorwärts. Hier und dort hielten wir mal an, kauften auch einen gusseisernen Kessel als Mitbringsel für Ulrich in Temuco.
Um 4 Uhr waren wir in Foz do Iguaçu, tankten und weiter gings zur Grenze, Bruthitze. Hier sollten wir als Ausländer den Pass abstempeln lassen. Der Grenzbeamte winkte zum Weiterfahren. Also fuhr ich weiter und hielt Ausschau nach einem Schalter. Der kam nicht und schon waren wir in Argentinien, also keine abgestempelten Pässe... wie mache ich es später bei der Einreise..? 5-6 Autos bewegten sich langsam vorwärts. Bei den Argentiniern wurden die Pässe auch in Computern registriert und der Zöllner wollte nur wissen, ob wir eine Versicherung haben.
Unter meinen Reisevorbereitungen war das Thema Versicherungen verzeichnet. Reisegesundheitsversicherungen sind nur von Fluggästen gefragt Somit gibt es keine für Überlandreisen. Aus das Tema Gesundheitsversicherung. Autoversicherung nur für den MERCOSUL, Chile ausgeschlossen. So kam ich in den Besitz einer Versicherung, die über 40 Tage ausgestellt sein sollte und mit dem 4, Dezember beginnen sollte. In letzter Minute bakam ich sie zugeschickt ( Alle meinten... wo zu braucht der das denn..) ich bemerkte dass die Gültigkeit am 5, anfing und nur für 30 Tage gültig war, also meine Rückreise die in Argentinien am 5, Januar anfing, war nicht mehr abgesichert, und mein erster Tag in Argentinien auch nicht.
Der Beamte, schaute die Versicherung an, bemerke nur „ 30 Tage gültig, gute Reise“ und schon fuhren wir weiter.
Der Grenzübergang hatte bei den Argentiniern 1 Stunde gedauert (10 Minuten am Schalter zur Eintragung im Computer). Um 5 ging es weiter.
Missiones ist hügelig und stark bewaldet, Tannen, Eukalyptus und Araukarien-Wälder säumen die Strasse, kaum Pflanzungen. Es fällt uns auf, wieviel mit Araukarien aufgeforstet wurde, seit wir hier vor 6 Jahren waren. El Dorado erreichten wir zirka um 18:30, das Hotel vom argentinischen Automobilklub hatte ich schon im Internet gesehen; es gab freie Zimmer und ein grosses Schwimmbad. Die Stimmung war die eines etwas vermoderten Familienabsteigehotels; das Zimmer und Bad waren sauber. Am Abend verwandelte sich die Terrase vor dem Schwimmbad, lauter kleine Tische wurden gedeckt unter dem freien Himmel. Es hatte bevor wir kamen etwas geregnet und der Abend war angenehm frisch. In Argentinien wird sehr spät zu Abend gegessen, vor 21-21:30 gibt es nichts. Wir waren die ersten hungrigen Gäste. Ich kann den argentinischen Steaks nicht wiederstehen und nach längerem Studieren der Speisekarte wählte ich mein Standard-Gericht „bife de choriso“ und „salada de radicheta“ dazu ein „Quilmes“ Bier. Der Kellner kam mit meinem „Bierchen“, eine Liter Flasche, eiskalt! Das Steak war köstlich... diesmal ging es früher ins Bett.
3er Tag, Sonntag
In Argentinien ist es schwierig, früh am Morgen etwas zum Frühstück zu bekommen. So brachen wir erst um 7 Uhr auf. Unser Ziel heisst Presidente Saens Peña und liegt mitten im Chaco. Es soll nach Aussage eines Bekanntem eine grässliche Stadt sein, aber sie liegt entfernungsmässig grade richtig und hat Hotels. Eins davon war sogar im Internet angegeben.
Sehr bald veliessen wir die hügelig, bewaldete Gegend und die flache Grass-Sumpf-Landschaft des Chacos lag vor uns. Oft sahen wir Störche, Enten, Trappen und Vieh, das bis zum Bauch im Wasser stand und an irgendwelchen dunkelgrünen Wasserplanzen kaute. Es wurde sehr heiss und immer wieder überholten wir Fahradfahrer, die in dieser Bruthitze tapfer strampelten. Endlich dämmerte es bei uns, sie waren unterwegs zu einem Wallfahrtsort. Auch trafen wir einen grossen Trupp prächtiger Gauchos. Schöne Pferde gezäumt mit dem Besten. Silberbeschlagenes Zaumzeig und Gürtel. Sie führten Ersatz-Pferde mit sich, und kamen warscheinlich von weit her. Kurz vor Corrientes machen wir Picknick unter einem Baum. Ein starker Wind bläst und die Hitze ist erträglich. Aus Tomatensalat mit Tunfisch und Avokados besteht unser Essen. Als Nachtisch gibt es eine gut duftende Melone. Der Geruch ist köstlich, aber sonst ist sie so fade, das wir sie verschmähen.
Weiter geht es. Der grosse Fluss Paraguay wird überquert und weiter geht es durch dem flachen Chaco.
Um 18 Uhr sind wir in Saenz Peña. Wir fragen nach Hotels, sehen uns Zimmer an und landen schlussendlich im 5- Sterne-Hotel. Kaum teurer als die anderen. Von den 5 Sternen sind mitlerweile mindestens 3 ausgefallen. Die Kühlanlage ist geräuschvoll, aber funktioniert und eine Tiefgarage gibt es auch, verdächtig feucht und mit Wasserlachen. So erfahren wir, dass vor 3 Tagen hier ein Unwetter war und zwischen 10 Uhr abends und 7 Uhr morgens 240 mm Regen gefallen waren. Das hatte das Schwimmbecken mit Schlamm gefüllt und die Tiefgarage überschwemmt. Wieder wird es sehr spät, bis wir etwas zu Essen bekommen. Diesmal gibt es Pizza und wieder kommt die Liter Flasche Quilmes Bier.
4er Tag, Montag
Um 5 Uhr morgen nähert sich uns eine Schlechtwetterfront. Der Himmel ist ein Netz von Blitzen, es wird gar nicht mehr dunkel. Wieder ist es schwierig, Kaffee zu bekommen und endlich, kurz nach 7 geht unser Abenteuer weiter. Es regnet, aber im Nordwesten ist der Himmel heller, in dieser Richtung liegt unser nächstes Ziel, Salta am Fuss der Anden. Wir wurden gewarnt von einer schlecht beschilderten Wegkreuzung, Bekannte fuhren einmal 100 Km in die falsche Richtung. Auch ich verfehlte die Kreuzung, da grade dort ein Bliz sehr nahe einschlug und uns blendete. Gleich darauf kamen wir direkt in eine Wasserwand, die meine Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nahm. Ein Blick auf den GPS zeigte mir, dass wir südwärts fuhren. Umkehren. Wir wahren 5 Km an der Kreuzung vorbeigefahren. Ab dann fuhren wir ständig dem Schlechtwetter davon. Die Strasse wurde sehr verlassener und hin und wieder gab es sehr tiefe Schlaglöcher, die bei Regen nicht von einer Pfütze zu unterscheiden sind. Immer schlechter wurde die Strasse, teilweise fuhren wir auf der Erdspur und durch Wasserlöcher nebenbei. Das war so ein richtige Erholung für unsere treue PA, der es bestimmt schon langweilig war, immer nur auf Pflaster zu fahren. Langsam stieg das Flachland an und die Sumpflandschaft wurde zur Buschlandschaft. Selten sahen wir Vieh. Sobald wir die Chaco-Provinz verliessen, besserte sich die Strasse und wir kamen wieder schnell vorwärts. Jetzt aber trat der Busch ganz nahe an die Fahrbahn heran und in den Büschen sah ich Rinder und Pferde stehen, keine Zäune. Grösste Vorsicht war geboten. Hin und wieder lag auf der Strasse ein verkommenes Tier: Kuh oder Pferd. Als sich die Büsche verzogen und sich in eine dörre Grasslandschaft verwandelten, atmeten wir auf. Die ersten Berge wurden am Horizont sichtbar und das unbekannt Aufregende kam immer näher, die Anden kamen in Sicht. Langsam, aber stetig, stieg der Höhenmesse des GPS und als wir schliesslich in Salta ankamen, zeigte er 1200 Meter an. Gewitterwolken ballten sich am Himmel. Nachdem wir in einem kleinem Hotelchen unterkamen, bestiegen wir eine Drahtseilbahn und schaukelten auf einen gleich hinter uns liegenden Berg. Wir genossen die Aussicht auf die Stadt, ein künstlich angelegter Bach plätscherte in Wasserfällen in einem netten Park. Weiter ging es mit Taxi zu den Handwerkern, beinahe kauften wir uns einen wunderschönen Wandbehang aus dem bolivianischen Hochland, aber wo zu Hause aufhängen? Jetzt ging es weiter zum Internet, um unsere Erlebnisse weiterzugeben. Als wir weiter wollten, regnete es in Strömen, die Strasse war ein Fluss und die Taxis fuhren nicht mehr. Wir warteten ein bisschen, aber der Regen verdichtete sich nur. So wateten wir schnell über die Strasse in ein Restaurant. Dort regnete es an mehreren Ecken durch die Decke. Es war der erste Regen des nun kommenden „bolivianischen Winters“. Wir assen lange, gut und ausführlich, ich natürlich wieder „bife de choriso“ mit Quilmes Bier. Der Regen hörte nicht auf. So lies ich mir ein paar grosse Müllabfuhr Kunststoff Säcke bringen. Einer bekam 3 Löcher für Kopf und Arme und wurde HE übergestülpt. In den anderen packte ich Handtaschen und den Inhalt meiner Hosentaschen und loss ging es zum Hotel das fast einen km entfernt war. Der Regen und Wind waren scheusslich kalt im Gegensatz zu der heutigen Hitze. Eine heisse Dusche und ins Bett.
5er Tag, Dienstag
Der Morgen war bewölkt und wir so ziemlich enttäuscht, dass wir die Fahrt in die Anden ohne das Farbenspiel der Berge sehen werden. Die Wegweiser waren spärlich und immer wieder mussten wir fragen, ob wir auf dem richtigen Weg waren. Die Wolken lichteten sich und die mächtige, von der Morgensonne bestrahlte Kordilliere, zeigte sich in aller Pracht. Wir verliessen das letzte Dorf und die Strasse ging über in eine gut geschotterte kurvenreiche Landstrasse. Fast 500 Km lagen vor uns und ich fuhr oft im 2ten Gang. Ganz bestimmt wird es eine sehr sehr lange Fahrt bis zu unserem heutigem Ziel, San Pedro de Atacama, werden. In einem engen Tal schlängelte sich der Weg am Berghang entlang, Wälder aus Riesenkakteen säumten oft die Landschaft. Die Mächtigkeit und Weite der Anden begeisterten uns wie immer schon. Plötzlich öffnete sich das Tal und der Schotter ging über in eine breite, ausgezeichnet geplasterte Asfaltstrasse. Das Farbenspiel der bizarren Felsformationen, die durch die klare Luft zum Geifen nahe waren, flogen schnell an uns vorbei. Der Höhenmesser zeigte schon 3000 Meter und die umliegenden Berge waren nicht mehr soooo hoch. Immer weiter ging es jetzt an Schutthalden vorbei immer höher und höher. Die Schotterstrasse war wieder da, wir überschritten die 4000 Meter und ereichten ein kärgliches Hochplateau. Eine Lamaherde mit niedlichen Kleinen knabberte an den spärlichen Gräsern. San Antonio de los Cobres kam in Sicht, verstaubt und trocken, kein Baum kein Strauch, grau in grau. Es war 11 Uhr, wir lagen also sehr gut im Zeitplan. Ich tankte voll, eine Ziegenherde zog über die Strasse und zwei Kinder schaukelten auf einem Platz der wohl zu den Schulgebäuden im Hintergrund gehörte. Im kärglichen Laden kauften wir Mineralwasser, ein Beschwipster bettelte, um sich wohl einen Glücklichkeits-Elixir kaufen zu können. Die breite staubige Strasse an der graue staubige Häuser standen, ging über in eine schmale holprige Spur. Waren wir wohl auf dem richtigen Weg? Wieder mal half das GPS und bestätigte uns, dass wir doch in die richtige Richtung fuhren. Der Staub, wie Puder so fein, zog überal in das Auto, wir und alles im Auto wurden langsam auch grau. Ein Fahrzeug kam uns entgegen, es war eins von 3, denen wir auf der ganzen Fahrt begegneten. Jetzt überzog sich die Landschaft mit gelb-silber leuchtendem Coirongrass und die ersten Vulkankegel stiegen empor. An einem Wässerchen mit grünem kurzem Grass weidete eine Herde Lamas und der Himmel war so dunkel blau... blau und dahinter die tief schwarzen Vulkankegel, mit ein paar Tüpfchen Schnee. Es war so grell, dass es schwierig war, die Instrumente im Auto abzulesen. Die Strasse fing an, stärker zu steigen, Motortemperatur normal, Zugkraft normal. Im 2ten Gang ging es über die 4500 Grenze und steigend. Ich hatte den Eindruck, als ob die Steigung nie ein Ende nehmen würde. 4600! Wir waren auf dem Grat! Ein bisschen benommen stieg ich aus dem Auto, alles war normal, das Auto und wir. Langsam gingen wir etwas herum und genossen die unglaubliche Weite mit ihrem dunkelblauen Himmel und schwarzen Vulkankegeln. Jetzt tauchten die ersten Salzseen auf. Die meisten waren nur noch weisse glitzernde Salzflächen, kein Wasser war zu sehen. Steinwüsten wechselten über in Salzseen und nur spärlich war das Coirongrass. Plötzlich eine Herde Vicuñas in einer sehr kargen Gegend, unglaublich, dass diese Tiere hier überleben. Vicuñas sind Verwandte der Lamas, kleiner, mit einem unglaublich weichem helbraun rötlichem Fell, ein bisschen grösser als ein Reh, leicht gebaut mit dem langen Hals der Lamas. Fast wurden sie ausgerottet. Ein paar Fotos gelangen mir. HE die unsere Filmkamera bedient, bemerkt zu spät, dass die Baterie zu Ende geht. Ab jetzt gibt es nur Bilder. Am Ende des Salar del Rincon mitten im Nichts, nur Steine und Sand, taucht der argentinische Grenzposten auf. Grosse, wie Kontainer aussehende Behausungen, zuvorkommend, freundlich, aber bestimmte Beamte prüfen gründlich unsere Autopapiere und in die Autofenster eingravierte Chassisnummern. Sie bieten uns an, wenn nötig, an der Sauerstofflasche zu schnüffeln. Wir lehnen ab, fühlen uns pudelwohl in diesen Höhen. Weiter geht es, wieder ein 4500-Meter-Grat wird überwunden, dann die Grenze mit grossen Schildern, die darauf hinweisen, dass wir Argentinien verlassen und dass wir chilenischen Boden betreten. Die Lanschaft wird immer trockner und wir spüren richtig, dass, wir uns der Atakamawüste nähern. Jetzt taucht der chilenische Grenzposten auf, kärglich im Vergleich zum argentinischem Luxus mit Air Condition. Das Skelett einer abgebrannten Unterkunft erweckt nicht den besten Eindruck. Chile hat es schon vor langen Jahren geschafft, die Maul- und Klauen-Seuche, durch ein riguroses Vorgehen an den Grenzübergängen, auszurotten. Unsere Räder, werden desinfiziert und wir müssen auf einem Schaumgumi mit einer gelben Flüssigkeit herumtrampeln. Hier ist die Passkontrolle, Zollabfertigung aber erst in San Pedro de Atacama. Wieder steigt die Strasse bis auf 4500 Meter, vorbei geht es an der Lagune Tuyuhai. Hellgrün leuchtet das Wasser umrandet von weiss glizerndem Salpeter am Strand, umgeben von verschiedenfarbigen kleinen Vulkankegeln unter dem Hellblau am Horizont und dann sich bis ins tiefblau steigernden Himmel. Und dann offnet sich der Horizont und wir blicken aus der Höhe auf den riesigen Salar de Atacama, der aus der Ferne mit mehreren weissen glitzernden Salpeterfeldern das Ende unserer heutigen Fahrt bedeutet. Ich bin den ganzen Tag alleine gefahren, da He nicht die genügende Erfahrung mit Schotterstrassen hat. Schnell verlieren wir an Höhe, und irgendwo sollten hier ein par Lagunen auftauchen. Ein kleines Schild weist darauf hin, eine Spur führt auf eine malerisch mit Coirongrass bewachsene Anhöhe, über der ein schwarzer Vulkankegel steht. Ich bin zu müde, um noch einen Abstecher zu machen, leider, hinter der Anhöhe befindet sich eine der schönsten Landschaften. Das erste Dorf, und wieder eine gepflasterte Strasse. Nur noch 90 Km bis zur Oase San Pedro. Der Fast 6000 Meter hohe Vulkan Licancabur steigt imposant aus der 2500 Meter hohen umliegendern Hochebene. Um 19 Uhr sind wir beim Zoll, ich bin 12 Stunden gefahren. Zwei grössere Geländewagen stehen dort, das gesamte Gepäck steht rundherum, sie wurden radikal ausgepackt. Ich dachte mir „so ist das... mal sehen, was da kommt“, packte meinen Pass und Autopapiere und begab mich in das Zollgebäude. Am Ende einer grösseren Halle befand sich ein kleines Büro, in dem sich mehrere Menschen aufhielten. Ich sah 3, sich leise auf französisch verständigende Touristen, einen am PC sitzenden Beamten etwas schreiben und eine Schönheit, mit langen blutroten Fingernägeln, hinter einem Schreibtisch sitzen. Da niemand mich nach meinem Anliegen fragte, die Dame mit den roten Fingernägeln war nicht beschäftigt, sondern sprach hin und wieder ein paar Worte mit dem PC Menschen, wandte ich mich mit meiner freundlichsten Miene, die wohl etwas verstaubt war, an sie und fragte, was ich den tuen müsste, um mit meinem Auto einzureisen. Die dunkle Schönheit durchbohrte mich verächtlich und meinte, dass hier alle beschäftigt wären und ich warten sollte. Wahrscheinlich war sie der Chef (oder ein Chef-Inspektor) und da braucht man ja nicht mehr zu arbeiten. So zog ich mich in den Hintergrund zurück und beobachtete, was sich dort so abspielte.
Drei aus Kakteenholz gefertigte Objekte, zwei Kästchen und ein Beche, standen auf dem Schreibtisch und der PC Mann war dabei, ein Dokument aufzusetzen, in dem verbotene Objekte aufgeführt und eingezogen wurden. Kakteen stehen unter Naturschutz. Das Dokument war endlich soweit, jetzt streikte der Drucker. Der PC Mann flüsterte dabei mit der Schönheit, dass das doch alles nicht nötig wäre, die aber fauchte leise zurück, und so wurde das Dokument dann fertiggestellt und den Übeltätern (eine Frau, ein Mann und ein neckischer Halb-Mann), von einem neu dazu gekommenen Beamten vorgelegt. Jetzt stellte sich heraus, dass die Schuldigkeitserklärung auf den Namen der Frau ausgestellt wurde, und die behauptete, dass ihr nur ein Kästchen gehöre. Dies auf französisch. Die beiden Männer, von denen der eine sich recht neckisch aufgeregt benahm, plapperten aufgeregt durcheinander. Der dazu gekommene Beamte meinte auf spanisch, dass er es nicht dulden kann, dass hier in fremden Sprachen gesprochen wird, da es ja sein könnte das er beschimpft würde. Die Belgier verstanden nichts, der Beamte auch nichts. Es war nah dran an einem belgisch-chilenischen Konflikt. Ich klebte stumm an der Wand und vergnügte mich mit dieser kafkanischen Szene köstlich. Schlussendlich erklärte sich die Frau bereit, zu unterschreiben und der dazugekommene Beamte plus der Schönheit und die Belgier verschwanden. Bestimmt war der neckische Mann-Frau Belgier, der Anlass zu dieser Schikane. Jetzt endlich wandte sich der nette PC Mann an mich, und ich konnte mein Anliegen vorbringen. Bald war ich im Besitz einer temporären Importlizenz für mein Auto. Den Inhalt unseres Autos wollte er gar nicht prüfen. Zwischendurch streikte wieder der PC und die Importlizenznummer musste aus einer dafür zur Verfügung stehenden Liste entnommen werden.
Weiter ging es ins sagenumworbene San Pedro de Atacama. Als ich das graue verstaubte Nest sah, war ich ganz enttäuscht. Es entsprach gar nicht den Bildern, die man in Büchern und Zeitschriften gesehen hat. Von einer Oase mit grünen Bäumen war nichts zu sehen. Verstaubte hässliche Wüstenhäuser drängten sich aneinander, durchzogen von ein paar engen holprigen Gassen, in denen es mit meinem Auto nur schrittweise vorwärtsging, voll mit Touristen aus aller Welt. Am Rande dieser „Altstadt“, an einer breiten Staubstrasse, sahen wir ein Schild „Hostal“. Dort kehrten wir ein und hinter den hässlichen grauen Lehmmauern standen ein gutes Dutzend kleine Holzhäuschen, in denen wir Unterschlupf fanden.
Nachdem wir uns der Staubschicht entledigt hatten, bei PA ging das nicht so einfach, erkundigten wir uns nach der Tour zu den Geisiern del Tatio, schrieben uns auch ein. Um 4:00 würden sie uns abholen. Also, los ging es zu einem Stadtbummel, San Pedro „by night“. In der Haupgasse (es gibt nur eine) drängen sich hinter den Lehmwänden die Esslokale und vor jeder Tür hüpfen 2 Anpreiser herum, die alle anquatschen und ihre Küche und besten Pisco-Sauer loben. Wir flüchteten erstmal in eine Internet-Höhle zum e-mailen, anschliessend gings dann zum Essen. Das Esslokal war so halb unter freiem Himmel und in der Mitte brannte ein Lagerfeuer. Gutes Essen und gute Bedienung. Bald ging es in Richtung Bettchen. Der Wecker war nicht mehr da, wir vergassen ihn in El Dorado. Um 3:30 sollten wir geweckt werden.
6er Tag, Mittwoch
Kurz vor 4 klopfte es an der Tür. Der Wächter hatte sich verschlafen und wir hatten nur 5 Minuten zum Aufstehen. In aller Eile zogen wir uns an und hasteten heraus. Der Kleinbus fuhr gerade vor und los ging es durch die enge Gasse um noch mehr verschlafene Gestalten einzusammeln. Eine Eineinhalb-Stunden-Fahrt fing nun an, auf holprigen kurvenreichen Strassen, hinauf zu den Geisiern, die auf über 4000 Meter Höhe liegen. Vor Sonnenaugang kamen wir dort an. Auf einer flachen Hochebene stiegen an allen Ecken und Enden Dampfsäulen in die Luft. Aus der Ferne sah es aus wie ein riesiger Lagerplatz mit Lagerfeuern. Es fehlten nur die spitzen bunten Indianerzelte. Dabei standen hinter den Nebelschwaden der Geisier überall Kleinbusse und herumwandelnde Touristen. Es brodelte, kochte und zischte aus vielen Spalten und Kaminen, es waren mehrere Grad unter Null. Ich kann mich an die Physikstunde erinnern, in der wir mit Eis und Salz stark unter dem Nullpunkt liegende Temperaturen erzeugten. Hier sah ich gefrorenes Wasser umrandet von Salpetersalz. HE hatte sich noch vorsorglich Handschuhe besorgt. Ich war ohne und konnte kaum noch meine Kamera halten. Ein Morgenimbiss wurde vorbereitet und die Tetrapackmilch in eine brodelnde Wasserlache gelegt. Ich versuchte, meine Hände in einem Dampfstrahl zu erwärmen, aber lieber trocken und kalt als feucht und klamm. Die Sonne fing an, die umliegenden Hügelkuppen zu bescheinen, die in wunderbaren Farbtönungen leuchteten. Die Nebelschwaden wurden dünner und wir fuhren jetzt an die gegenüber liegene Talseite. Es ging durch eine gelb-braun-silberne Coirongrasslandschaft in der mehrere Vicuñas weideten, sehr zahm und an den Verkehr und Menschen gewöhnt. Jezt halten wir bei dem grössten und gefährlichsten Geisier an. Dort wurde uns die Gruselgeschichte von ihm erzählt, in der ein Franzose, dann ein Spanier und vor 3 Monaten ein Chilene tödlich verunglückten. Sie waren zu nahe herangegangen. Bei einem plötzlichen Ausbruch fielen sie ins kochende Wasser und verbrühten sich sofort zu Tode. Der Chilene hatte dabei noch 2 Tage gelitten bis er verschied. Hir gibt es auch ein grösseres Becken mit zirka 15 Meter Durchmesser, in dem das heisse Wasser zum Baden aufgefangen wird. Wir wussten nichts davon und hatten kein Badezeug mit. Ein Grossteil der Touristen entkleidete sich geschickt hinter kleinen Handtüchern, beobachtet von den schmunzelnden Fahrern der Kleinbusse, die ihre pikanten Kommentare unter sich machten. Die Sonne stieg höher und erwärmte die Luft. Aus war es mit dem Schauspiel der Dampfsäulen, klein und unscheinbar sah man aus der Ferne ein paar Dampfwölkchen. Es brodelte, zischte und sprudelte weiter, aber ohne Dampfsäulen, die nicht mehr kondensierten.
Nachdem sich die Badegäste wieder geschickt hinter den kleinen Handtüchern ihre Bikinis entledigt hatten, ging es weiter durch die Hochebenen mit ihren Salzseen, Vicuñas, rosa Flamingos, Emas und Viscachas. Die Flamingos durchsieben hier das Salzwasser nach kleinen Krebsen, von denen sie sich ernähren und auch die rosa Farbe bekommen. Emas sind kleine, 1.20 Meter hohe südamerikanische Strausse, die ich von Patagonien bis hoch in den Mato Grosso schon beobachtet habe, und Viscachas sind Verwandte der Kängerus, beim Sitzen sind sie ungefähr 40 cm hoch. An Lamaherden ging es vorbei, jedes hatte zur Kennzeichnung ihres Besitzers bunte Fäden an den Ohrenspitzen. Das spärliche Weideland ist Gemeinbesitz. Es gibt keine Zäune. An einem Dörfchen mit einem malerisch ganz alleine am Berghang liegenden Kirchlein, halten wir vor einem Laden, in dem es all das Nötige gibt, auch Sprudelwasser und Coca-Cola sind dort bei der unfreundlichen Indianerin zu haben. Man spricht auch Spanisch. Der Indianer röstet Spieschen mit Lamafleisch und verkauft sie fleissig noch halbroh. Unser Fahrer erklärt uns, dass Lamafleisch colesterinfrei ist und ich versuche, ein Spieschen besser durchzubraten. Es gelingt mir nicht, jedesmal wenn ich mich umdrehe, stiebitzt es mir einer von den blöden Touristen, Anstatt sie umzubringen, entschliesse ich mich, zu verzichten.
Mittags sind wir in San Pedro. Ein Picknik unter der Laube vor unserem Hüttchen und kurzer Schlummer erfrischt uns. Es wird geplant und unser nächstes Ziel ist der Salar de Atacama mit seiner Flamingo-Lagune Chaxa, und zum Sonnenuntergang wollen wir im Mondtal (Valle de la Luna) sein. Auf einer Naturstrasse geht es am Salar entlang, kein Staub eben wie Asfalt, ist das wohl der Salpeter? Die Strasse zweigt ab, direct in den Salar und wir fahren jetzt auf einer Spur schnurgerade mitten durch eine Salpeterwüstenlandschaft. Spitze Salpeterblöcke (zirka 60 cm hoch) türmen sich soweit wie das Auge reicht. Ich kann mir vorstellen, dass ein Vorwärtskommen zu Fuss sehr beschwerlich sein müsste. Wir komen an den Posten des Naturschutzgebietes, zahlen unseren Eintrit und beginnen den Rundgang. Auf einem Salzweg, neben dem die weggeräumten Salpeterblöcke ein niedriges Zäunchen bilden, geht es auf eine flache Lagune zu. Ein paar Flamingos waten hier herum, mit dem Schnabel im Wasser duchpflügen sie den Grund nach Nahrung. Eine Eidechse flüchtet unter einen Salzblock... Aha.. hier muss es auch Insekten geben. Wirklich, wir beobachten eine kleine Fliege. Weiter entfernt watet eine grosse Gruppe Flamingos. Dort soll die Brutstätte sein und das Weglein ist zu Ende. Immer wieder kommen paarweise einige dazu geflogen, mit lang ausgestreckten Hälsen und Beinen krächsen sie beim Fliegen.
Der Abend rückt näher und wir treten die Fahrt zum Valle de la Luna an, sie führt uns wieder durch San Pedro und dann auf eine grässlich harte, uns durchschüttelnde Sand- und Steinstrasse. Wieder ein Fallbaum. Aussteigen und Eintritt zahlen. Leider hat sich hier wieder einer eingenistet, um aus den Schönheiten der Natur sein Einkommen zu fristen.
Al ich PA wieder starten wollte, gab sie nur ein Klick von sich. Die Batterie war leer. Die letzte Schüttelei hat sie nicht mehr überstanden. Ein netter Mensch mit einem grossen Geländewagen und starker Batterie brachte PA wieder zum Leben; das Anschlusskabel hatte ich bei mir. So war es aus mit dem Valle de la Luna. Ich schenkte dem nettem Menschen meinen Eintritt und kehrte um, eine Batterie zu suchen. Keine Chance, die gab es nur in Calama, der nächsten Stadt. Also fuhr ich zum Hotelchen, stellte PA so hin, dass sie leicht anzuschieben war. Den unfreudlichen Indianer, der mit zum Hotelpersonal gehörte, bat ich, mir doch morgen beim Starten zu helfen und noch dem Nachtwächter Bescheid zu geben. Etwas murmelte er, was ich nicht verstand. Also gingen wir, um uns in San Pedro ein bisschen besser umzusehen. Der Dorfplaz war schön und sauber, mit hell gekalkten Häusern so ganz im Gegensatz zum übrigen und ein wunderschönes Kirchlein, harmonisch beleuchtet, mit einem Dach aus Kakteenholz. Wie ersetzen die es wohl!!!
In Handwerkerständen sehen wir überall die so verbotenen Kästchen aus Kakteenholz. Welche Schande für die Zollbeamten und verkalkten Regierungserlässe, die so etwas zulassen. Wieder werden wir von aufsässigen Zubringern der Esslokale belästigt. Man nimmt es mit Humor, aber mir ist es unangenehm.
7er Tag, Donnerstag
Heute stehen wir nicht so früh auf. Bis Calama ist es eine Stunde und die Geschäftszeit fängt um 9 an. Jetzt müssen wir die PA in der kühlen Morgenstunde zum Laufen bringen. Der Vorwärmer des Dieselmotors schafft es bestimmt auch nicht mehr mit der schwachen Batterie. Nach dem Frühstück suche ich den Hausindianer. Als ich ihn finde und kaum bevor ich ihn ansprechen kann, fängt er an zu zetern „dass er nicht mit hilft beim Schieben usw.. und warum ich mich nicht an den Nachtwächter gewandt hätte“. Fast verschlug es mir die Sprache. Ich schaute ihn nur an und sagte ihm „Sie brauche ich wirklich nicht, fahren sie ruhig zur Hölle“, ging zu der Besitzerin und bat sie, mir zu helfen, da ihr Hausindianer nicht helfen wollte und ich ihn noch dazu in die Hölle geschickt hätte. Sie schüttelte den Kopf, seufzte und sagte nur: „solche Dummköpfe“, rief ihre weiblichen Angestellten zusammen und Besitzerin, Köchin, Stubenmagd und HE schoben kräftig, so das PA nur so zum Fliegen kam. PAs Motor sprang in einer schwarzen Rauchwolke klappernd an. Wir winkten dankend und los ging es. Jetzt fing die echte Wüste an, kein Gräschen einfach nichts, nur steiniger Boden. Immer wieder sah man Erzabbau und bald erkannte man die riesigen Abtragungen von Chuquicamata, eines der grössten Kupferabbaufelder der Welt. Wir waren in Calama. Nach ein bischen Irrfahrt fanden wir auch die Batterie und jetzt mussten wir noch eine Stunde warten bis sich die Ladung aufbaute. HE ging auf die Suche nach Landkarten, aber kam unverrichteter Dinge zurück. Unglaublich, aber Landkarten bekamen wir nicht mal an den grossen Tankstellen. Wahrscheinlich ist die Nachfrage zu gering. Um 11 ging es wieder los. Unser heutiges Ziel war Copiapo, 770 Km waren zurückzulegen bis spätestens 20:00 Uhr. Mehrere Bekannte, mit denen ich Gedanken austauschte, fanden den Norden und somit die Wüste „faszinierend“, für mich ist sie öde und langweilig. Von der Farbenpracht der Berge haben wir wenig gesehen, die verschiedenen Grautöne sind nicht zu vergleichen mit dem Farbenspiel der Hochebenen in den Anden, die wir ja vor zwei Tagen durchfahren hatten. Bald wurden wir hungrig und Picknick hatten wir keinen mehr. So fuhren wir hinein nach Antofagasta. Die Nordeinfahrt hat zwei Fahrbahnen, bergrunter, zur Einfahrt in die Stadt, aber nur eine berghoch, bestimmt damit man schneller aus der Wüste raus kommt. Wir sahen das Meer, jetzt hatten wir den Kontinent überquert! Wir suchten ein Shoppingcenter, in dem wir einen schnellen Imbiss bekommen könnten, mit Parkplaz für unser vollbeladenes Auto. Das erste, was wir fanden war ein McDonalds. Wir essen ein paar Sandwiches und weiter geht es. Die Häuser der Stadt erklimmen das steil abfallende Hochplateau bis zu einer bestimmten Höhe, ab dann hört alles Leben auf. Es ist die Grenze des Leitungswassers. Antofagasta hat sich zwischen den engen Streifen zwischen Meer und Hochplateau geschoben. Eine breite Strandpromenade zieht sich an der langgestreckten Stadt entlang. Wir verlassen die Stadt über die Südausfahrt. Wieder Wüste..Wüste, bis Chañeral. Ab dort zieht sich die Strasse 90 Km an der Küste entlang. Mir ist es richtig mulmig vom McDonald Sandwich. Die Küste ist sehr steinig, wenig Strände. Vom GPS gesteuert, kommen wir bei Sonnenuntergang in Copiapó an. Eine angenehme Stadt mit einer schönen Plaza. Wir finden ein gutes Hotel und bekommen ein Schlafzimmer mit Vorzimmer, Esszimmer und riesigem Bad, Parkplatz und angenehmer Bedienung. Gegenüber der Plaza ist eine Internet Spelunke und ein gutes Restaurant. Zuerst geht es zum Internet und hinterher zum Abendessen. Trotz meines mulmigen Magens, ergötze ich mich an einem dicken Stück Schinken und HE bestellt sich ein paniertes Schnitzel. Das Schnitzel ist so ausgetrocknet dass HE zum trost ein Hühnerbrüstchen bekommt. Die Temperatur ist stark gesunken, wir frieren ein bischen, und ich bin falsch am Platz in kurzen Hosen.
8er Tag, Freitag
Wir brechen früh auf, der Morgenimbiss wurde uns am Abend in unseem privatem Esszimmer bereitgestellt, mit Thermosflasche, grossen Gläsern mit Milch, Butter, Marmeladen.. Hoch lebe Copiapo. Dieses alles zum selben Preis wie unser einfaches Zimmer in San Pedro, in dem das Klowasser ständig floss. Mein Magen war wieder in Ordnung von dem Antofagasta-McDonald und wir fingen an von Meeresfrüchten zu träumen.. Locos und gedünstete Muscheln mit Parmesankäse überzogen..mmmm. So setzen wir unser nächstes Ziel in Los Vilos fest. Ein bekannter Badeort in dem es bestimmt „Locos“ gab. Der Loco ist ein Verwandter des „Abalone“, eine Art Meereschnecke. Die Muschel ist ganz offen und das Fleisch ist ein grosser Muskel, mit dem sich das Tier an den Felsen festsaugt. Normalerweise ist es mit 4 genug, ich habe schon über 12 in meiner Jugend gegessen. Nach La Serena fing die neue Autobahn an. Wir kommen schnell vorwärts. Der Lastwagenverkehr ist stärker und ohne Überholspur in dem ständigem Rauf und Runter der quer zu uns verlaufenden Höhenzüge, wäre es sehr anstrengend. Hungrig, as ob wir wochenlang nichts zu knabbern bekommen hätten, kommen wir in Los Vilos an. Ich fahre am Meer entlang bis ans Ende der Landzunge, in einem kleinen Fischerhafen. Gleich davor erblicken wir das Objekt unserer wirren Hunger-Träume. Gedünstete Muscheln gab es keine, dafür aber Locos.... Solange sie vorbereitet werden, schauen wir den Fischern beim Anlegen zu, unterhalten uns auch ein wenig mit ihnen. Freundliche offene Menschn, stämmig und stark sind diese Seelöwen. Die Locos sind himmlisch!!!
Weiter geht es jetzt Richtung Santiago. Dort wollen wir noch unsere Enkelkindchen, die auf der Durchreise nach Südchile sind, überraschen. PA säubern, Bibi, HE`s Mutter besuchen und bei Ernesto, ihrem Bruder, übernachten, um am nächsten Tag weiter gegen Süden zu fahren. Troz der sich im Bau befindenden neuen Autobahnen rund um Santiago komme ich gut zurecht und erreiche ohne Umwege die Wohnung von Yolita und Hermann, in der unsere Enkelchen grade sind. Grosse Freude, das Erzählen wird auf später verschoben, da Yolita und Hermann uns in Puntiagudo wiedersehen werden. Ernestos Haus finde ich nicht gleich, aber nach einem Telefonanruf wird der Irrtum richtiggestellt, und er erwartet uns an der Strasse. Bei dem anschliessenden Spaziergang durch das grosse Anwesen mit vielen Obstbäumen, pflückten wir uns herrlich schmeckende Aprikosen von den Bäumen. Zum Abendessen gab es in einem netten Lokal in der Nähe Pizza auf chilenische Art.
9er Tag, Samstag
Jetzt musste ich erstmal gründlich PA säubern. Dieses dauerte den ganzen Vormittag. Das Türschloss ging nicht mehr richtig und alles, was ich anfasste, war staubig. Ein nasser Lappen half auch nicht, er schmierte nur. Der Staubsauger war verstopft und sog kaum noch, also erstmal Staubsauger instandsetzen... und so verging der Vormittag zu schnell. Um 12:30 ging es weiter über Nebenstrassen bis zur Autobahn. Alles war vom Samstagmittags-Verkehr verstopft. Langsam, zu langsam kamen wir an die nicht weit entfernte Autobahn, und wir hatten noch soviel zu fahren. Wir wollten noch heute in ein Gebiet, in dem ich noch nie war, hinter Curacautin Richtung Lonquimay, und dort Thermalbäden besuchen.
Endlich ging es vorwärts, die neue Autobahn steht ganz im Zeichen des neuen Chiles. Weg sind die Hunde, Schweine, Restaurants, Fruchtstände und übrige Folklore der alten „Panamericana“. Kein einzigen Reiter in seiner „Huaso“ Tracht, nur schnelle Autos und immer wieder Strassenzoll. Ungesehen blieb der „Salto del Laja“ (Laja-Wasserfall). An Los Angeles war ich vorbei ohne es so richtig zu realisieren. Hier ging ich mal zur Schule und verbrachte glückliche Jugendjahre mit unvergesslichen Ritten in der Kordiliere. Endlich, in Victoria, verliessen wir dieses Fortschrits-Monument und tauchen wieder in dass uns so wohl bekannte alte Chile. Eine ausgezeichnete Asfaltstrasse führte uns in Richtung Kordiliere, von der nun schon der Vulkan Llaima mit seinen 2 Kratern sich langsam erhob. Auch der Lonquimay wurde immer grösser und die Feldblumen am Wegrand blühten herlich. Wie schön ist der Süden mit seinen noch ungeernteten Kornfeldern und weiten hügeligen Wiesen, auf denen die kurzbeinigen Bandurrias langsam herumgehen und ihren krummen Schnabel immer wieder ins Grass bohren, Insekten und Würmer suchend, ihre etwas blechernen Rufe ausstossend.. quack, quack... quack, quack. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir unsere Unterkunft: Suizandina, von Yolita und Hermann empfohlen. Die Kohlsuppe, gefüllten Pfannkuchen, ein Klo das nicht floss und Federbetten wahren herlich.
10er Tag, Sonntag
Das Frühstück mit weichgekochten Eiern und einwadfreiem Buffet war gut, sehr gut. Aber dann las ich ein trocken geschriebenes Schildchen zwischen den Brötchen: „Dieses Buffet ist für ihr Frühstück bestimmt, sollten sie Proviant für Ihre Ausflüge brauchen, so wenden sie sich bitte an das Küchenpersonal“. Wir kauften Postkarten, es gab sogar die Briefmarken und einen Postkasten. Wir schrieben ein paar liebe Worte und schickten sie ab. Später erfuhren wir, das die Karten alle angekommen wahren. Komisch, ich fühlte mich hier nicht wohl, alles zu exakt, kalt, für mich, der das alte Chile suchte zu „geordnet“. Würde ich hier einen zweideutigen Witz erzählen, würde ich hier sehr wahrscheinlich nur auf fragende Gesichter stossen.
Wir fuhren noch etwas weiter, Lupienen blühtes massenhaft am Wegrand in verschiedenen lilla Töhnungen. Jetzt ging e zurück nach Curacautin um den Vulkan Llaima zu umrunden, aber vorher noch wollten wir, eine Stunde wenigstens, uns in einem Thermalbad tummeln. Ganz in der nähe hatten wir am gestern ein Schild gesehen mit der Aufschrift „Hotel y termas el Manzanar“. Wirfuhren durch ein stückchen Wald und kamen zu einem altem 3 Stöckigen Hatellgebäud. Daneben, ein bischen tiefer, an einem Gebirgsbach lag ein mittelgrosses Schwimmbad ausdem Dämpfestigen. Daneben befandsich noch ein kleines das noch stärker dampfte. Wir bekamen Handtücher, und schon sassen wir im warmem Wasser, dass stark nach Schwefel roch. Heidis silberner Ring wurde sofort „goldig“. Sehr angenehm, mitten im Wald, kaum Besucher. Doch bald ging es weiter, wir hatten noch einiges vor uns.
Fortsetzung folgt