Die Abenteuer des HE-DA-PA
Schon länger träumten wir davon, Südamerika zu durchqueren und die Atakamawüste zu beschnuppern, was uns fehlte, war Zeit. Fünf Wochen sind nötig, um allen Wünschen zu entsprechen. Die Fahrt bis zum Fusse der Anden und wieder zurück nimmt 1 Woche in Anspruch, 3 Wochen in unserem Häuschen in Südchile und 1 Woche zum Herumschnüffeln. Dabei ist die Fahrt durch die Weiten Brasiliens und Argentiniens immer interessant und erinnert uns immer wieder an die Kraft und den Wohlstand, der im “Inneren“ dieser Länder steckt, ganz im Gegensatz zu den verwahrlosten Vororten der Grosstädte. Keine Zeitung erzählt von den fleissigen zähen Bauern, die dort zurückgeblieben sind, starke gastfreundliche und hilfsbereite Menschen. Die “El Dorados“ mit Fernsehen und leichtem Leben sind wie ein Magnet, dem nicht zu entkommen ist, verschlossene Gesichter und aggressive Fahrer sind dort auf dem Boden der Enttäuschung nur zu gut gediehen.
Als Mitte November die Betriebsferien über Weihnachten und Neujahr bekannt gegeben wurden und wir auf unserer wöchentlichen Fahrt nach Hause unsere alljährlichen Chile-Ferien-Pläne schmiedeten, kam uns ganz plötzlich, wie ein Lichtstrahl der Gedanke ... die nötige Zeit ist da! Zwei Wochen vor den Ferien plus eine danach ergaben 5, so würde ich nur 3 Wochen meinen Cybernetik-Kriegern fern bleiben, da konnte nichts schiefgehen. HE war Feuer und Flamme, sofort begann sie mit der Organisation der 7 Wochen Abwesenheit von zu Hause, Weihnachten in Puntiagudo, Reisekleidung für die Hochkordillere und Patagonien, plus Reisepicknick. Ich beschäftigte mich intensiv mit der Vorbereitung von PA, der uns über 4000 Meter hohe Pässe in einer Gesammtstrecke von über 12.000 Km tragen sollte. Mehrere Stunden verbrachte ich im Internet um herauszufinden, welcher wohl der beste und interessanteste Weg nach San Pedro de Atacama wäre. Keine Reisebeschreibung war aufzufinden, nur in den Abenteuer-Reiseangeboten in Salta gab es die Angabe, dass um 7 Uhr morgens die Abfahrt und um 7 Uhr die Ankunft in San Pedro ist, gespickt mit herrlichen Aufnahmen des Andenhochlandes. Mittagessen in San Antonio de los Cobres. Die schlechten Landkarten gaben nur eine Auskunft: die Grenzpasshöhe, meistens Schotterstrasse und eine 500 Km-Strecke. Also wählte ich, gedenken unseres Alters und Unerfahrung in grossen Höhen, den Grenzpass Sico mit 4100 Metern (Die anderen waren alle über 4500).
Die darauffolgenden Wochen verflogen im nu und so starteten wir dan am Freitag, dem 3 Dezember um 14:00 Uhr in São Paulo. Unser Ziel war Fazenda Macae, um dort bei meinem Bruder zu übernachten.
1er Tag, Freitag.
Der Shopping Morumbí war unser Startpunkt, HE versuchte noch ein paar argentinische Pesos zu kaufen. Nach diesem fruchlosem Bestreben blieben wir erstmal im Stau der überlasteten Strassen stecken. Langsam ereichten wir die erste Autobahn, die uns ins Innere des Landes und weiter, weiter.. bis in die Salpeterwüste tragen würde. Die Sinne waren wach, voll von unbeantworteten Fragen: Wie sind wohl die Strassen, wie erträgt unsere tapfere 4X4 Pa wohl die Höhe, haben wir wohl die nötigen Ersatzteile mit? Unsere Reisestrategie ist einfach: Steh früh auf, fahre nie in der Nacht, nach 2 Stunden Fahrerablösung.
Bei einer uns gut bekannten grossen Raststätte, die erstklassigen “cafezinho“ braut, halten wir an. Pipi-pause, cafezinho und 2 kg Kaffeebohnen werden eingekauft. Die PA ist vollgeladen mit allem möglichen Nötigen und Unnötigen, sogar die hinteren Sitze sind nach vorne geklappt, um einem zweiem Ersatzreifen Platz zu machen und unter den Sitzen sind 15 Liter erstklassiges Motorenöl untergebracht, PA muss gut versorgt sein. Griffbereit ist ein Styroporkästchen in dem sich Butter, Käse, Marmelade, Brot, Aufschnitt und kühles Mineralwasser befinden. Für den Notfall gibt es ein Zelt und Schlafsäcke. Dicke Jacken, Pullover und Socken sind auch zu finden, da über 4000 Meter die Temperatur stark unter den Nullpunkt fällt (wie weit konnten wir nicht erfahren, es heisst nur “es wird sehr kalt“). Griffbereit ist das “Nötigste“ für das Absteigen in Hotels. Im Moment war es heiss, sehr heiss.
Am Spätnachmittag kamen wir in Macae an, alles war so grün.. grün.. Der Tukan und die Hunde hüpften lustig herum und ein Spaziergang bis zu den Kühen tat gut nach dem vielen Sitzen und anstrengenden Tagen in São Paulo.
Abends fuhren wir noch nach Baurú, um dort zur Abschiedsfeier „churasco“ zu essen. Wie immer lässt man sich von den leckeren brutzelden Fleischstücken, die an uns vorbeigetragen wurden, verleiten. Das treibt natürlich den Durst und das Bier war sooooo.. schön kühl... Kurz vor Mitternacht sanken wir in die Betten.