6er Tag, Mittwoch
Kurz vor 4 klopfte es an der Tür. Der Wächter hatte sich verschlafen und wir hatten nur 5 Minuten zum Aufstehen. In aller Eile zogen wir uns an und hasteten heraus. Der Kleinbus fuhr gerade vor und los ging es durch die enge Gasse um noch mehr verschlafene Gestalten einzusammeln. Eine Eineinhalb-Stunden-Fahrt fing nun an, auf holprigen kurvenreichen Strassen, hinauf zu den Geisiern, die auf über 4000 Meter Höhe liegen. Vor Sonnenaugang kamen wir dort an. Auf einer flachen Hochebene stiegen an allen Ecken und Enden Dampfsäulen in die Luft. Aus der Ferne sah es aus wie ein riesiger Lagerplatz mit Lagerfeuern. Es fehlten nur die spitzen bunten Indianerzelte. Dabei standen hinter den Nebelschwaden der Geisier überall Kleinbusse und herumwandelnde Touristen. Es brodelte, kochte und zischte aus vielen Spalten und Kaminen, es waren mehrere Grad unter Null. Ich kann mich an die Physikstunde erinnern, in der wir mit Eis und Salz stark unter dem Nullpunkt liegende Temperaturen erzeugten. Hier sah ich gefrorenes Wasser umrandet von Salpetersalz. HE hatte sich noch vorsorglich Handschuhe besorgt. Ich war ohne und konnte kaum noch meine Kamera halten. Ein Morgenimbiss wurde vorbereitet und die Tetrapackmilch in eine brodelnde Wasserlache gelegt. Ich versuchte, meine Hände in einem Dampfstrahl zu erwärmen, aber lieber trocken und kalt als feucht und klamm. Die Sonne fing an, die umliegenden Hügelkuppen zu bescheinen, die in wunderbaren Farbtönungen leuchteten. Die Nebelschwaden wurden dünner und wir fuhren jetzt an die gegenüber liegene Talseite. Es ging durch eine gelb-braun-silberne Coirongrasslandschaft in der mehrere Vicuñas weideten, sehr zahm und an den Verkehr und Menschen gewöhnt. Jezt halten wir bei dem grössten und gefährlichsten Geisier an. Dort wurde uns die Gruselgeschichte von ihm erzählt, in der ein Franzose, dann ein Spanier und vor 3 Monaten ein Chilene tödlich verunglückten. Sie waren zu nahe herangegangen. Bei einem plötzlichen Ausbruch fielen sie ins kochende Wasser und verbrühten sich sofort zu Tode. Der Chilene hatte dabei noch 2 Tage gelitten bis er verschied. Hir gibt es auch ein grösseres Becken mit zirka 15 Meter Durchmesser, in dem das heisse Wasser zum Baden aufgefangen wird. Wir wussten nichts davon und hatten kein Badezeug mit. Ein Grossteil der Touristen entkleidete sich geschickt hinter kleinen Handtüchern, beobachtet von den schmunzelnden Fahrern der Kleinbusse, die ihre pikanten Kommentare unter sich machten. Die Sonne stieg höher und erwärmte die Luft. Aus war es mit dem Schauspiel der Dampfsäulen, klein und unscheinbar sah man aus der Ferne ein paar Dampfwölkchen. Es brodelte, zischte und sprudelte weiter, aber ohne Dampfsäulen, die nicht mehr kondensierten.
Nachdem sich die Badegäste wieder geschickt hinter den kleinen Handtüchern ihre Bikinis entledigt hatten, ging es weiter durch die Hochebenen mit ihren Salzseen, Vicuñas, rosa Flamingos, Emas und Viscachas. Die Flamingos durchsieben hier das Salzwasser nach kleinen Krebsen, von denen sie sich ernähren und auch die rosa Farbe bekommen. Emas sind kleine, 1.20 Meter hohe südamerikanische Strausse, die ich von Patagonien bis hoch in den Mato Grosso schon beobachtet habe, und Viscachas sind Verwandte der Kängerus, beim Sitzen sind sie ungefähr 40 cm hoch. An Lamaherden ging es vorbei, jedes hatte zur Kennzeichnung ihres Besitzers bunte Fäden an den Ohrenspitzen. Das spärliche Weideland ist Gemeinbesitz. Es gibt keine Zäune. An einem Dörfchen mit einem malerisch ganz alleine am Berghang liegenden Kirchlein, halten wir vor einem Laden, in dem es all das Nötige gibt, auch Sprudelwasser und Coca-Cola sind dort bei der unfreundlichen Indianerin zu haben. Man spricht auch Spanisch. Der Indianer röstet Spieschen mit Lamafleisch und verkauft sie fleissig noch halbroh. Unser Fahrer erklärt uns, dass Lamafleisch colesterinfrei ist und ich versuche, ein Spieschen besser durchzubraten. Es gelingt mir nicht, jedesmal wenn ich mich umdrehe, stiebitzt es mir einer von den blöden Touristen, Anstatt sie umzubringen, entschliesse ich mich, zu verzichten.
Mittags sind wir in San Pedro. Ein Picknik unter der Laube vor unserem Hüttchen und kurzer Schlummer erfrischt uns. Es wird geplant und unser nächstes Ziel ist der Salar de Atacama mit seiner Flamingo-Lagune Chaxa, und zum Sonnenuntergang wollen wir im Mondtal (Valle de la Luna) sein. Auf einer Naturstrasse geht es am Salar entlang, kein Staub eben wie Asfalt, ist das wohl der Salpeter? Die Strasse zweigt ab, direct in den Salar und wir fahren jetzt auf einer Spur schnurgerade mitten durch eine Salpeterwüstenlandschaft. Spitze Salpeterblöcke (zirka 60 cm hoch) türmen sich soweit wie das Auge reicht. Ich kann mir vorstellen, dass ein Vorwärtskommen zu Fuss sehr beschwerlich sein müsste. Wir komen an den Posten des Naturschutzgebietes, zahlen unseren Eintrit und beginnen den Rundgang. Auf einem Salzweg, neben dem die weggeräumten Salpeterblöcke ein niedriges Zäunchen bilden, geht es auf eine flache Lagune zu. Ein paar Flamingos waten hier herum, mit dem Schnabel im Wasser duchpflügen sie den Grund nach Nahrung. Eine Eidechse flüchtet unter einen Salzblock... Aha.. hier muss es auch Insekten geben. Wirklich, wir beobachten eine kleine Fliege. Weiter entfernt watet eine grosse Gruppe Flamingos. Dort soll die Brutstätte sein und das Weglein ist zu Ende. Immer wieder kommen paarweise einige dazu geflogen, mit lang ausgestreckten Hälsen und Beinen krächsen sie beim Fliegen.
Der Abend rückt näher und wir treten die Fahrt zum Valle de la Luna an, sie führt uns wieder durch San Pedro und dann auf eine grässlich harte, uns durchschüttelnde Sand- und Steinstrasse. Wieder ein Fallbaum. Aussteigen und Eintritt zahlen. Leider hat sich hier wieder einer eingenistet, um aus den Schönheiten der Natur sein Einkommen zu fristen.
Al ich PA wieder starten wollte, gab sie nur ein Klick von sich. Die Batterie war leer. Die letzte Schüttelei hat sie nicht mehr überstanden. Ein netter Mensch mit einem grossen Geländewagen und starker Batterie brachte PA wieder zum Leben; das Anschlusskabel hatte ich bei mir. So war es aus mit dem Valle de la Luna. Ich schenkte dem nettem Menschen meinen Eintritt und kehrte um, eine Batterie zu suchen. Keine Chance, die gab es nur in Calama, der nächsten Stadt. Also fuhr ich zum Hotelchen, stellte PA so hin, dass sie leicht anzuschieben war. Den unfreudlichen Indianer, der mit zum Hotelpersonal gehörte, bat ich, mir doch morgen beim Starten zu helfen und noch dem Nachtwächter Bescheid zu geben. Etwas murmelte er, was ich nicht verstand. Also gingen wir, um uns in San Pedro ein bisschen besser umzusehen. Der Dorfplaz war schön und sauber, mit hell gekalkten Häusern so ganz im Gegensatz zum übrigen und ein wunderschönes Kirchlein, harmonisch beleuchtet, mit einem Dach aus Kakteenholz. Wie ersetzen die es wohl!!!
In Handwerkerständen sehen wir überall die so verbotenen Kästchen aus Kakteenholz. Welche Schande für die Zollbeamten und verkalkten Regierungserlässe, die so etwas zulassen. Wieder werden wir von aufsässigen Zubringern der Esslokale belästigt. Man nimmt es mit Humor, aber mir ist es unangenehm.