3er Tag, Sonntag
In Argentinien ist es schwierig, früh am Morgen etwas zum Frühstück zu bekommen. So brachen wir erst um 7 Uhr auf. Unser Ziel heisst Presidente Saens Peña und liegt mitten im Chaco. Es soll nach Aussage eines Bekanntem eine grässliche Stadt sein, aber sie liegt entfernungsmässig grade richtig und hat Hotels. Eins davon war sogar im Internet angegeben.
Sehr bald veliessen wir die hügelig, bewaldete Gegend und die flache Grass-Sumpf-Landschaft des Chacos lag vor uns. Oft sahen wir Störche, Enten, Trappen und Vieh, das bis zum Bauch im Wasser stand und an irgendwelchen dunkelgrünen Wasserplanzen kaute. Es wurde sehr heiss und immer wieder überholten wir Fahradfahrer, die in dieser Bruthitze tapfer strampelten. Endlich dämmerte es bei uns, sie waren unterwegs zu einem Wallfahrtsort. Auch trafen wir einen grossen Trupp prächtiger Gauchos. Schöne Pferde gezäumt mit dem Besten. Silberbeschlagenes Zaumzeig und Gürtel. Sie führten Ersatz-Pferde mit sich, und kamen warscheinlich von weit her. Kurz vor Corrientes machen wir Picknick unter einem Baum. Ein starker Wind bläst und die Hitze ist erträglich. Aus Tomatensalat mit Tunfisch und Avokados besteht unser Essen. Als Nachtisch gibt es eine gut duftende Melone. Der Geruch ist köstlich, aber sonst ist sie so fade, das wir sie verschmähen.
Weiter geht es. Der grosse Fluss Paraguay wird überquert und weiter geht es durch dem flachen Chaco.
Um 18 Uhr sind wir in Saenz Peña. Wir fragen nach Hotels, sehen uns Zimmer an und landen schlussendlich im 5- Sterne-Hotel. Kaum teurer als die anderen. Von den 5 Sternen sind mitlerweile mindestens 3 ausgefallen. Die Kühlanlage ist geräuschvoll, aber funktioniert und eine Tiefgarage gibt es auch, verdächtig feucht und mit Wasserlachen. So erfahren wir, dass vor 3 Tagen hier ein Unwetter war und zwischen 10 Uhr abends und 7 Uhr morgens 240 mm Regen gefallen waren. Das hatte das Schwimmbecken mit Schlamm gefüllt und die Tiefgarage überschwemmt. Wieder wird es sehr spät, bis wir etwas zu Essen bekommen. Diesmal gibt es Pizza und wieder kommt die Liter Flasche Quilmes Bier.

4er Tag, Montag
Um 5 Uhr morgen nähert sich uns eine Schlechtwetterfront. Der Himmel ist ein Netz von Blitzen, es wird gar nicht mehr dunkel. Wieder ist es schwierig, Kaffee zu bekommen und endlich, kurz nach 7 geht unser Abenteuer weiter. Es regnet, aber im Nordwesten ist der Himmel heller, in dieser Richtung liegt unser nächstes Ziel, Salta am Fuss der Anden. Wir wurden gewarnt von einer schlecht beschilderten Wegkreuzung, Bekannte fuhren einmal 100 Km in die falsche Richtung. Auch ich verfehlte die Kreuzung, da grade dort ein Bliz sehr nahe einschlug und uns blendete. Gleich darauf kamen wir direkt in eine Wasserwand, die meine Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nahm. Ein Blick auf den GPS zeigte mir, dass wir südwärts fuhren. Umkehren. Wir wahren 5 Km an der Kreuzung vorbeigefahren. Ab dann fuhren wir ständig dem Schlechtwetter davon. Die Strasse wurde sehr verlassener und hin und wieder gab es sehr tiefe Schlaglöcher, die bei Regen nicht von einer Pfütze zu unterscheiden sind. Immer schlechter wurde die Strasse, teilweise fuhren wir auf der Erdspur und durch Wasserlöcher nebenbei. Das war so ein richtige Erholung für unsere treue PA, der es bestimmt schon langweilig war, immer nur auf Pflaster zu fahren. Langsam stieg das Flachland an und die Sumpflandschaft wurde zur Buschlandschaft. Selten sahen wir Vieh. Sobald wir die Chaco-Provinz verliessen, besserte sich die Strasse und wir kamen wieder schnell vorwärts. Jetzt aber trat der Busch ganz nahe an die Fahrbahn heran und in den Büschen sah ich Rinder und Pferde stehen, keine Zäune. Grösste Vorsicht war geboten. Hin und wieder lag auf der Strasse ein verkommenes Tier: Kuh oder Pferd. Als sich die Büsche verzogen und sich in eine dörre Grasslandschaft verwandelten, atmeten wir auf. Die ersten Berge wurden am Horizont sichtbar und das unbekannt Aufregende kam immer näher, die Anden kamen in Sicht. Langsam, aber stetig, stieg der Höhenmesse des GPS und als wir schliesslich in Salta ankamen, zeigte er 1200 Meter an. Gewitterwolken ballten sich am Himmel. Nachdem wir in einem kleinem Hotelchen unterkamen, bestiegen wir eine Drahtseilbahn und schaukelten auf einen gleich hinter uns liegenden Berg. Wir genossen die Aussicht auf die Stadt, ein künstlich angelegter Bach plätscherte in Wasserfällen in einem netten Park. Weiter ging es mit Taxi zu den Handwerkern, beinahe kauften wir uns einen wunderschönen Wandbehang aus dem bolivianischen Hochland, aber wo zu Hause aufhängen? Jetzt ging es weiter zum Internet, um unsere Erlebnisse weiterzugeben. Als wir weiter wollten, regnete es in Strömen, die Strasse war ein Fluss und die Taxis fuhren nicht mehr. Wir warteten ein bisschen, aber der Regen verdichtete sich nur. So wateten wir schnell über die Strasse in ein Restaurant. Dort regnete es an mehreren Ecken durch die Decke. Es war der erste Regen des nun kommenden „bolivianischen Winters“. Wir assen lange, gut und ausführlich, ich natürlich wieder „bife de choriso“ mit Quilmes Bier. Der Regen hörte nicht auf. So lies ich mir ein paar grosse Müllabfuhr Kunststoff Säcke bringen. Einer bekam 3 Löcher für Kopf und Arme und wurde HE übergestülpt. In den anderen packte ich Handtaschen und den Inhalt meiner Hosentaschen und loss ging es zum Hotel das fast einen km entfernt war. Der Regen und Wind waren scheusslich kalt im Gegensatz zu der heutigen Hitze. Eine heisse Dusche und ins Bett.