B. Lebensbeschreibungen der Freiherren von Ungern und Ungern-Sternberg in schwedischer Zeit.

Einleitung,

Der alte Ordensstaat, durch inneren Hader zerrissen und durch Sittenverderbniß in seinen Grundlagen morsch geworden, war zerfallen, und die mächtigen Nachbarn hatten sich in das Erbe getheilt. Nach dem letzten verderblichen und ruhmlosen Kampfe gegen Rußland war Ehstland genöthigt, sich an Schweden anzuschließen, und am 4. Juni 1561 huldigte die Ritterschaft und zwei Tage später die Stadt Reval dem Könige Erich XIV.

Der letzte Ordensmeister Gotthard Kettler hatte mit Polen Verbindungen angeknüpft, da er sich unvermögend sah, die Selbständigkeit des Ordens aufrecht zu halten. Am 28. November 1561 huldigte die Ritterschaft Livlands dem Könige Sigismund August, und dieser sicherte dagegen Kettler den erblichen Besitz des Herzogthums Kurland unter polnischer Lehnshoheit.

Am 5. März 1562 übergab Kettler dem Bevollmächtigten des polnischen Königs, dem Fürsten Radzivill, Kreuz und Mantel nebst den Schlüsseln des Ordensschlofses zu Riga, und somit war der Orden, der factisch schon seine Bedeutung verloren hatte, auch rechtlich und förmlich zu Grabe getragen.

Nur Riga erhielt seine oft angefochtene Unabhängigkeit noch zwanzig Jahre, bis es sich 1581 der Herrschaft Stephan Bathory's beugen mußte.

Die Macht der Geistlichkeit war geschwunden. Vom lebendigen Glauben der Gemeinden verlassen, zerfielen die veralteten Formen; in den Städten hatte sich in den Tagen der ersten Begeisterung die reinere Lehre Bahn gebrochen und allmählich alle Verhältnisse durchdrungen; dem Anstoße waren die Prediger ans dem Lande und fast willenlos die Bauern gefolgt. Die Bischöfe waren verschwunden; nur der alte Erzbischof Wilhelm überlebte machtlos und fast vergessen die Katastrophe, starb aber schon am 4, Februar 1563.

Der Bischof von Kurland und Oesel hatte schon 1559 seine Bisthümer an Friedlich II. von Dänemark verkauft, und am 16. April 1560 nahm der neue Herrscher, des Königs Bruder, Herzog Magnus von Holstein, später König von Livland genannt, Besitz von Oesel. Auch der letzte Bischof von Reval räumte ihm sein Bisthum ein, ohne daß Magnus je zur Verwaltung desselben gelangen konnte.

Der Bischof von Dorpat (Hermann III.) mußte am 23. Juli 1558 nach Eroberung seiner Stadt dem Sieger nach Moskau folgen, wo er nach kurzer Frist 1563 am 24. Juni gestorben ist.

So theilten sich jetzt fünf Machthaber in das zerrissene Livland, dessen östliche Hälfte die Russen innehatten, während die Schweden in Ehstland, die Polen in Livland, die Dänen auf Oesel und im Stifte Pilten herrschten, und der neue Herzog Kettler im übrigen Kurland gebot. Eine schwere und gefahrvolle Zeit brach an, die erst nach mehr als einem halben Jahrhundert ihr Ende fand. Die Raubzüge der Russen, die 1570 und 1577 Reval vergeblich belagerten, aber ganz Livland verheerten, die Dörfer verbrannten und die Bewohner des Landes erschlugen oder in die Gefangenschaft führten, hatten nebst Hungersnoth und Seuchen das Land entvölkert, der Adel war seiner Güter beraubt, und die Städte, in ihrer Handelsthätigkeit beschränkt, hatten den alten Wohlstand eingebüßt. Eine neue Generation, gestählt in der läuternden Noth der Verhältnisse, mußte erwachsen, um die Reste des väterlichen Erbes zu übernehmen und die Pflicht gegen die Ahnen zu erfüllen, die mit ihrem Blute das Land den Heiden abgewonnen und christlicher Cultur zugänglich gemacht hatten. Es galt jetzt, auch unter fremden Gebietern die heiligsten Güter der Heimath festzuhalten, deutsche Sitten, deutsche Sprache und den Glauben der Väter gegen Uebergriffe zu schützen und zu vertheidigen. Bei der Uebergabe der Herrschaft an Polen und Schweden waren durch Capitulationen die Rechte des Landes gewahrt, und durch feierliche Zusagen bestätigten die neuen Herrscher die Privilegien der Stände. An diesen Versprechen haben Livland und Ehstland festge-halten und unter manchen Angriffen ihre Autonomie sich möglichst erhalten.

Die Ritterschaften Liv- und Ehstlands nahmen thätig an der Umgestaltung der Landesverhältnisse Theil, da sie gewissermaßen an die Stelle der alten Territorialherren getreten waren. Auf den Landtagen, denen allmählich eine größere Bedeutung zugestanden wurde, suchte der Adel, wenn auch oft in scharfem Conflicte mit der Regierung, seine Selbständigkeit zu erhalten und seinem Oberlandgerichte eine ganz unabhängige Stellung zu sichern. Natürlich gewannen die mächtigsten Geschlechter bald eine hervorragende Stellung; aber da die Institutionen des Adels mit der Verwaltung des Landes vielfach zusammenfielen, stand auch den ärmeren Familien eine Theilnahme an den Landesinteressen zu, und die Rechte der Korporationen dehnten sich mehr und mehr aus.

Unter schwedischer Herrschaft haben auch die Herren von Ungern in Ehstland ihre Besitzungen erweitert, theils im Dienste des Landes, theils im schwedischen Kriegsdienste sich gebrauchen lassen und neue Güter und Ehren erworben, bis sie sich nach den schweren Zeiten der Reduction und des letzten Entscheidungskampfes dem russischen Eroberer unterwerfen mußten, der die mit Unrecht eingezogenen Erbgüter restituirte und neue Bahnen zu Ehre und Erwerb eröffnete. Nur Wenige zogen es vor, nach Polen, Schweden und Deutschland auszuwandern, wo sie und ihre Nachkommen Macht und Ruhm erwarben.

Die Kriegszüge der tapferen schwedischen Feldherren Pontus De la Gardie und Karl v. Horn, welche in raschem Siegeszuge sämmtliche Schlösser und Burgen Ehstlands nebst Narva, Iwangorod, Koporie und Kexholm erobert hatten, veranlaßten den Großfürsten, 1583 einen Waffenstillstand zu schließen, auf welchen am 18. Mai 1595 der Friede von Teusino folgte, der dem unglücklichen Lande wenigstens für einige Zeit Ruhe gönnte. Fast zu gleicher Zeit wurde auch für Livland der Friede wieder hergestellt, indem die siegreichen Kämpfe Stephan's den Frieden von Zapolye am 15. Januar 1582 herbeiführten, dem zufolge Rußland seine Eroberungen an Polen abtreten mußte.

So begannen geordnetere Zustände; das Vertrauen kehrte zurück, die Gutsbesitzer und Bauern nahmen die verlassenen Feldarbeiten wieder auf, und die Städte schlossen neue Handelsverbindungen. Zwar folgten noch manche schwere Jahre; der Krieg zwischen Polen und Schweden, die Hungersnoth und Pest 1602, die Kämpfe gegen Rußland heischten noch manche Opfer an Gut und Blut, bis Gustav Adolf's siegreiche Waffen auch Livland und Riga 1621 am 16. September dauernd gewannen und endlich 1629 den Frieden bei Stumsdorf erzwangen.

Mit kurzer Unterbrechung durch den Einfall der Russen 1656 und Karl's X. Kriegszüge genoß Livland unter schwedischer Herrschaft, welcher sich auch 1645 Oesel anschließen mußte, einer friedlichen und Verhältniß-mäßig glücklichen Entwickelungszeit, nur durch die Gewaltmaßregel der Reduction und andere Uebergriffe Karl's XI. gestört, bis am Ende des Jahrhunderts der nordische Krieg mit seinen Schrecken einbrach, welcher bald das durch Noth und Pest verheerte Land dem mächtigen Nachbar fast ohne Widerstand in die Arme warf.

Von den Regenten Schwedens hat die Familie von Ungern vielfache Beweise der Anerkennung erfahren; sie wurde 1653 in den schwedischen Freiherrnstand erhoben und mit Landbesitz in den verschiedensten Theilen der Oftseeprovinzen belehnt. Außer den bald wieder aufgegebenen Ländereien in Preußen (A 54. 55. 77) besaßen und erwarben die Herren von Ungern in Livland Pürkel, Fistehl, Gilsen, Eichenangern und Orellen (A, 55 ss. 72. 76 s. B 47 s. 64. F 83. 90), in Polnisch-Livland Limehn und Assoten (B 45. 51. 61), in Kurland Wallhof und Buschhof (B 78. 84), in Littauen Tadolino (B 49. 67. 79. 85), in Oesel Kaunispä, Käsel und Klausholm (B 54. 59. 69 s.), zu Ehstland Kiwidepä, Klein-Lechtigall und Linden (B 81. 85 s. A 72. C 82. 88), in Finland Hohenfors und Paisterpä (B 51. 68. 81. A 58, 3) und in Schweden Julitagard (G 92).


A 54. Georg, Georg's IV. (A 40) Sohn, gest. c. 1580.

Aus den in Königsberg neuerdings aufgefundenen Urkunden geht hervor daß Georg v. U., Georg's Sohn, keineswegs mit dem bisher unter A 54 aufgeführten Georg v. U. auf Käsel identisch ist., Dieser scheint ein Sohn des Mannrichters Klaus III. B 34 zu sein und wird daher unter B 54 seine Stelle erhalten.

Georg IV. von Ungern suchte in der Ahnung der bevorstehenden schweren, auch für seine Familie verhängnißvollen Zeit seinen Söhnen im Lande des ihm freundlich gesinnten Herzogs von Preußen eine Zuflucht zu sichern, und vielleicht brachte er selbst schon Georg und Johann nach Königsberg; auch Otto zu versorgen hatte sich der Herzog gnädigst erboten. Ersterer mag schon als Knabe nach Königsberg gekommen sein und dort den Pagenunterricht genossen haben. Später war er 1558 bis 1563 als Hofjunker angestellt, woraus zu schließen ist, daß er damals noch jung, also wohl der jüngste Bruder gewesen sei.

Um den eifrigen Beförderer der Interessen des Markgrafen Wilhelm seine Gewogenheit empfinden zu lassen, hatte Herzog Albrecht Georg IV. von Ungern in der Gegend von Preuß.-Holland einen Landbesitz zugestanden, nämlich 120 Hufen in dem wüsten Dorfe Neumünsterberg und 9 Hufen in dem wüsten Gute Falkenhorst.

So bedeutend diese Verleihung zu sein schien, so erforderte doch die Cultur dieser Hufen ein nicht unbedeutendes Betriebscapital, und schon die Wittwe Georg's, Godele v. Hastfer, schrieb darüber dem Erzbischof Wilhelm: „Die von dem Herzog Albrecht meinem seligen Manne verliehenen Ländereien würde er selbst zu cultiviren wohl Mittel und Wege gefunden haben. Da er aber bei seinem unerwarteten Tode mich mit einem Haufen unerzogener Kinder und vielen schweren Schulden hinterlassen, so behindert mich meine jetzige Unvermögenheit, die Güter zu besetzen, da ich noch für und für Schulden abzulegen habe. Daher bitte ich, der Herr Erzbischof wolle sich bei seinem Bruder dafür verwenden, daß mir nach der großen Gunst, die er zu meinem Manne getragen, gestattet werde, die Güter zu verkaufen, damit ich meine und der Kinder anliegende Noth desto eher entsetzen und freien möge." Der Erzbischof übersandte diese Supplik aus Lemsal am 22. Januar 1542 seinem Bruder und bat ihn, das Gesuch in Ernnerung an Georg's v. U. Verdienste, der in seinen Aufträgen im Auslande gestorben, zu genehmigen.

Da Dies aber nicht geschah, begab sich ihr Sohn Johann nach Preußen und machte, nachdem ihm der Herzog das Gut am 14, Januar 1553 bestätigt hatte, einen Versuch, dasselbe zu bearbeiten, sah sich aber schon nach wenigen Jahren veranlaßt, den Besitz aufzugeben und nach Livland zurückzukehren. Sein Bruder Georg verstand sich dazu, sich der Landwirthschaft in der ausgedehnten Wüstenei zu widmen, und übernahm die 129 Hufen, wogegen er seinen Brüdern die Anwartschaft auf das Erbe in der Heimath abtrat.

Zwar blieb er noch im Dienste des Herzogs, siedelte sich aber ganz in Neumünsterberg an und trat mit Einwilligung seines Herrn in den Ehestand mit Anna von Schönwiese, Lorenz' Tochter, von Ilischken. Doch das ihr zustehende Erbtheil, sowie ein Legat ihres sel. Bruders wurde ihm trotz öfterer Reclamationen nicht ausgezahlt. Bei der Hochzeit hatte er seiner Frau ein Leibgedinge aus seinen preußischen und livländischen Gütern auszusetzen versprochen, aber es kam nicht dazu, weil er auf diese verzichten mußte und jene keinen hinreichenden Ertrag gewährten.

Bei der Bearbeitung seines ganz uncultivirten, mit Urwald bewachsenen Grundstücks fand er sehr viele Hindernisse, und in zahlreichen Suppliken klagte er dem Herzoge feine Noth, in die er durch Mangel an Arbeitern an Aussaat und an Geldmitteln gerathen war. Zur Einrichtung bat er 1561 um 15 Last Getreide und 190 Schafe, auch sagte ihm der Herzog 3 Last nebst 50 Schafen zu. Auch im folgenden Jahre (1562 am 19. Januar) mußte er wieder um Korn bitten, da er durch Hagelschlag gelitten habe und die Rodung so schwer sei, wie wohl nirgends anderswo. Um Arbeiter zu bekommen, wandte er sich an seinen Bruder in Livland, erhielt aber zur Antwort, daß ihm im Gebiete von Pürkel vom Moskowiter an 300 wehrhafte Männer erschlagen seien, daher von einer Unterstützung durch Arbeitskraft nicht die Rede sein könne. Deshalb bat er den Herzog, das unheilvolle Geschenk zurückzunehmen und ihm eine Geldunterstützung oder ein schon cultivirtes Gütchen zuzuweisen.

Im Jahre 1563 bat Georg um Urlaub zu einer Reise nach Livlaud zum Besuche seiner Mutter und seiner Brüder, wobei er auch zugleich einen Versuch machen wollte, in den Besitz der 100 Haken Land in Semgallen zu gelangen, die der Bischof Nikolaus (1252) seinem Ahnherrn Johann verlehnt hatte durch ein Dokument, welches sein Vater 1531 vom Kaiser Karl V. hatte transsumiren und bestätigen lassen. Der Herzog unter-stützte seine Bitte in einem eigenen Schreiben an den Herzog von Kurland, in dem er ihn einen guten, redlichen, ehrlichen Mann aus gutem, altem, aufrichtigem, vornehmem und herrlichem Geschlechte nannte, dem er um seines ehrlichen Verhaltens willen mit besonderen Gnaden gewogen und zugethan sei.

Nach langem Warten erhielt Georg u. U. endlich die Antwort, die Rechte seien längst verjährt, auch habe der Kaiser in Kurland Nichts zu vergeben.

Aus der Reise scheint unter so bewandten Umständen Nichts geworden zu sein, dagegen wurden seine Verhältnisse immer schwieriger. Von seinem Schwager Hans erhielt er keine Zahlung, selbst das aus der Erbschaft seines Schwagers Wolf seiner Frau zugesicherte Legat wurde ihm ver-weigert, weshalb er um Einweisung in die Güter seines Schwiegervaters (Ilischkn) bat; doch war diese Bitte vergeblich. In seiner Noth mußte er die Regierung um die Eintreibung von 50 Gulden, die ihm Georg Kanitz schuldig war, bitten und an das Versprechen des Herzogs, ihm 1000 Thlr. zu schenken, erinnern; auch Dieses war in Vergessenheit gerathen, und der Nachfolger schlug ihm diese Unterstützung 1571 rund ab.

Streitigkeiten mit den Nachbarn, der Stadt Elbing und dem Domkapitel von Krauenburg trugen dazu bei, ihm das Leben schwer zu machen. Er selbst wäre von den Leuten von Elbing fast erschlagen worden, seine Frau wurde beschimpft und gemißhandelt, und daher erneuerte er seine Bitte um die Erlaubniß, das Lehngut, welches nach einer genauen Messung statt 120 nur 60 Hufen enthielt, den Herren von Kempen zu verkaufen, was ihm 1568 gestattet wurde.

Nach dem Tode seines Wohlthäters, des Herzog. Albrecht (gest. 1568 am 2, März), wandte er sich an dessen Nachfolger, den Herzog Albrecht Friedrich, mit der Bitte um ein Gütlein, doch wurde dieselbe 1576 10. Februar abgeschlagen. Mit einer Empfehlung des Herzogs ging er 1579 zu dem Herzog Johann Friedrich von Pommern, scheint aber bald nachher gestorben zu sein. Seiner Familie hinterließ er nur Sorgen und Bedrängniß.

Georg v U. heirathete am 17. März 1560 Anna v. Schonwiese, gest. um 1598, Tochter des Lorenz von Schönwiese auf Ilischken.

Bei den bedrängten Umständen des Mannes wandte sie sich an die Herzogin Marie Eleonore und erhielt von ihr eine kleine Unterstützung. Den Kindern wurden 1579 Vormünder bestellt. Später lebte sie bei Eischhausen, und der Vogt daselbst wurde 1589 angewiesen, sie klaglos zu stellen.

Ihr Brüder Hans, der das Gut Ilischken übernommen, aber nachher vertauscht hatte, war 1596 gestorben und hatte seiner einzigen Tochter Marie sein Gut hinterlassen. Diese, welche ebenfalls 1596 starb, hatte zwar ihre Vaterschwester Anna von Ungern zur Erbin eingesetzt, doch ergab sich, daß die Güter der Krone heimgefallen seien, und der übrige Nachlaß einen geringen Werth habe. So gerieth die arme Wittwe immer mehr in Noth und mußte wieder zur Herzogin ihre Zuflucht nehmen, bis sie endlich um 1598 in den dürftigsten Verhältnissen vor Kummer und Gram ihr Leben beschloß. Georg's Kinder waren:

1. Hans, um 1613, s. A 54, 1.

a. Katharina, die Johann von Gehren heirathete. Ihr Mann war 1604 gestorben und hatte sie in sehr bedrängten Umständen zurückgelassen, weshalb ihr 1607 Curatoren gesetzt wurden.

b. Maria. Ihre Vormünder unterstützten 1601 die Bitte ihres Bruders Hans um Restitution der Schönwiese'schen Güter, und 1613, da sie für ihren Bruder eine Bittschrift einreichte, lebte sie als eine arme, verlassene Jungfrau in Königsberg.

A 54. 1. Hans, Georg's Sohn, s. A 54.

Unter schwierigen Umständen herangewachsen, trat Hans v. Ungern frühzeitig in Kriegsdienste und befand sich 1598 in der kaiserlichen Armee in Ungarn, wo damals unter des Erzherzogs Maximilian Befehl die tapferen Heerführer Adolf Freiherr v. Schwarzenberg, Heinr. Matthias Graf Thurn und Herm. Christopher Roßwurm den Türken eine Festung nach der andern abgewannen.

Auf die Nachricht von dem Tode der Mutter kam er zum Troste seiner Schwestern mit vieler Beschwerde und Hinderung seines ferneren Fortkommens nach Preußen zurück. Hier waren von der Landesherrschaft die Güter der Familie Schönwiese als verfallen eingezogen worden, und da seine Schwestern die einzigen Erben waren, richtete Hans eine Bittschrift an die herzogliche Regierung um Restitution der Güter, wurde aber 1599 am 14. Februar abgewiesen, und auch auf die erneuten Bitten erfolgte 1602 eine abschlägige Antwort.

Hans Schönwiese hatte nämlich auf Anordnung des Herzogs sein Gut Ilischken, welches seinem Vater Lorenz nach Magdeburger Recht verlehnt war, mit anderen in Samland liegenden Besitzungen vertauschen müssen, die ihm nicht zu demselben Recht verschrieben wurden, daher seine entfernten Erben nach dem Tode seiner Tochter Maria keine weiteren Ansprüche an dieselben machen durften.

Die Bemühungen, einen Landbesitz wieder zu erhalten, scheinen Hans v. U. abgehalten zu haben, den Schauplatz seiner früheren Kriegsthaten wieder aufzusuchen oder sich in anderer Herren Dienste zu begeben. Im Jahre 1613 befand er sich wenigstens wieder in Preußen und hatte das Unglück, auf einem Edelhofe bei Tapiau im Stande der Nothwehr einen Schneider zu erschießen. Deshalb wurde ihm der Prozeß gemacht, und das Landgericht zu Tapiau verurtheilte ihn am 25. Juni 1613, sich 4 Jahre lang wider die Türken oder gegen die Feinde der Krone Polen brauchen zu lassen, doch vorher Kirchenbuße zu thun.

Seine Schwester Marie von Ungern, eine arme, verlassene Jungfrau, supplicirte am 5. Juli 1613 bei dem Kurfürsten um Erlaß der Strafe für ihren unschuldigen Bruder, insbesondere der Kirchenbuße, die ihm künftig an seinen Ehren Schaden bringen müsse. S. F. D., hoffte sie, werde Das dem alten, ehrlichen Geschlechte der von Ungern nicht anthun wollen. Die Antwort ist zwar nicht erhalten, doch scheint der Landesherr den Spruch des Landgerichts gemildert zu haben; denn nach einer spateren Supplik legte man Ungern auf, sich zwei Jahre lang vor dem Erbfeinde oder sonsten in anderer Herren Diensten brauchen zu lassen. Hans von Ungern begab sich deshalb nach Ungarn und in die Niederlande, erlangte aber keine Dienste. Zwar trat er zu Berlin in den Dienst des Kurfürsten Johann Sigismund, dem er ein Jahr lang aufwartete, aber mußte überall aus seinem Beutel zehren. Da er nun all das Seinige aufgezehrt, mußte er zurückkehren und bat, ihm die fehlende Strafzeit zu schenken und ein Zeugniß über gethane Kriegsdienste auszustellen. Seine weiteren Schicksale sind unbekannt; Nachkommen scheint er nicht hinterlassen zu haben.

B 54. Georg VI., wahrscheinlich Klaus' III. (B 34) Sohn, um 1552.

Er war Besitzer von Kaunispä, Salm und Käsel auf Oesel.

Wie in der Lebensbeschreibung des jüngeren Georg von Ungern (A 54) auseinandergesetzt ist, muß dieser Georg von jenem verschieden sein und ist wahrscheinlich der in der Urk. 316 vom Jahre 1549 genannte Sohn des Mannrichters Klaus III. (B 34), dem 1526 und 1530 Kaunispä, Salm und Rouwdes im Kirchspiel Jamma verlehnt wurden, welche er seinem Sohne vererbte.

Im Jahre 1547 war er Mannrichter auf Oesel. Von seinem Schwiegervater Berend Berg erhielt er den Hof Laesma oder Käsel nebst dem Dorfe Keyskver und dem Gesinde Unnimäggi durch einen vom Bischof am 7. September 1542 genehmigten Auftrag; doch mußte er sich verpflichten, den Miterben 800 Mark auszuzahlen.

Im Jahre 1572 war er todt, da am 20. October 1572 seine Söhne sich in die Erbschaft theilten.

Berenth Berg war 1523 Stiftsvogt in Arensburg und 1541 Rath des Bischofs. Da er 1527 einen Hof bei Karmel besaß, der ihm wegen der Ermordung des Joh. Lode streitig gemacht wurde, so ist es wahrscheinlich, daß er auch schon Klausholm besessen und mit Käsel seiner Tochter oder deren Sohne Klaus vererbt habe.

Georg VI. heirathete vor 1542 Christinken von Berg, Berend's Tochter.

1) Klaus IV., Statthalter, gest. 1577, s. B 69.

2) Jürgen XI., gest. 1617, s. B 70.

a. Else, heirathete Dietrich von Howen auf Parrasmetz. Als Wittwe verkaufte sie dieses Gut 1600 an den dänischen Statthalter auf Oesel
Klaus Malteson Sehestädt. Ihrem Sohne Hinrich von Howen vermachte Jürgen XI. Käsel.

b. Anna, heirathete

1)Joachim Stark auf Piddul, der wegen seines leichtfertigen Aufgebens der herrlichen Festung Hapsal an die Russen vom Kriegsgericht in Arensburg verurtheilt und 1576 hingerichtet wurde.

2)Kaspar Stackelberg, Peter's Sohn, der 1603 am 4. Mai Piddul kaufte, indem er seinen Stiefsöhnen Klaes, Axel und Jürgen, Gebrüdern Sterkh, 2000 Goldgulden oder 20000 Mk. Rig. dafür zahlte.


A 55. Johann VII., Georg's IV. (A 40) Sohn, auf Hohenheide 1558.

Vielleicht noch zu Lebzeiten des Vaters trat er in die Dienste des Herzogs Albrecht von Preußens der ihm am 14. Januar 1553 die Güter bestätigte, welche er am 17. März 1534 seinem Vater Georg wegen seiner treuen, dem Markgrafen Wilhelm geleisteten Dienste verliehen hatte. Es war das im Amt Holland zwischen Mühlhausen und Schönberg liegende wüste Dorf Neumünster mit 120 Huben nebst dem wüsten Freigut Falkenhorst mit 9 Huben und allem Zubehörs welches ihm und seinen ehelichen männlichen Leibeserben zu Lehnrechte zugeschrieben und zugeeignet wurde, es zu besitzen, zu genießen und zu gebrauchen (doch nicht zu verkaufen), sammt den Gerichten groß und klein, auch dem Straßengerichte binnen solcher Güter Gränzen, Dafür mußte er für sich und seine ehelichen männlichen Leibes- und Lehnserben versprechen, des Landesherrn Frommen, Nutzen, Ehre und Gedeihen zu fördern, Schaden, Verkleinerung und Nachtheil zu verhüten. Ferner sollte er, wenn die Huben besetzt seien, zu allen Geschreien (Aufgeboten), Heerfahrten und Laudwehren, wann, wie oft und dicke sie gefordert werden, mit vier wohlgerüsteten Pferden, Mannen und Harnischen dienen und sich als getreuer Lehnsmann und Unterthan gegen seinen Herrn verhalten.

Für das Lehen hatte er jährlich auf Martini ein Crompfund Wachs und fünf preußische Pfennige auf das herzogliche Haus Hollandt zur Bekenntniß (Anerkennung) der Herrschaft zu entrichten.

Da der Wittwe Georg's v. Ungern (A 40) nicht gestattet wurde, den Besitz zu verkaufen, wollte ihr Sohn Johann VII. versuchen, die wüsten Hufen zu bebauen. Wegen der großen Schwierigkeiten aber erbot er sich, das Land wieder zurückzugeben, wenn die Regierung ihm so viel dafür geben wollte, als er brauchte, um eine Hufe zu cultiviren. Dies geschah nicht, und so wäre wohl Johann schon zurückgegangen, wenn nicht die unmilden Russen um 1558 in Livland gehaust hätten. Vor 1560 überließ er das Gut seinem Bruder Georg (A 54), der es nach viel ausgestandener Noth 1568 verkaufte und um 1580 in großer Dürftigkeit starb.

Es ist nicht bekannt, wie lange Johann in seiner Jugend in Preußen qelebt habe. Vor Antritt des Gutes Neumünsterberg kehrte er schon einmal nach Livland zurück, vielleicht 1539, als Markgraf Wilhelm Erzbischof geworden war. Er übertrug zu Roop am 1. Mai 1547 seinem Bruder Otto seine Anrechte an Wittenfelde, und auch dem am 11. April 1548 zu Lemsal abgeschlossenen Cessionsvertrage, in welchem Fabian v. Ungern seinem Bruder Otto Pinkel überließ, scheint er beigetreten zu sein.

Um dieselbe Zeit muß er Hohenheide gepfändet haben, welches er 1555 besaß.

Am 30. Mai 1558 war er mit seinem Bruder Otto zu Lemsal zusammen und lieh demselben 4000 Mark rig. gutes Pagiments, wie es in Livland gange und gebe war, 36 Schilling für eine jede Mark zu rechnen. Dafür hatte ihm Otto jährlich zu Pfingsten 60 Mark von je 1000 Mark an Renten zu zahlen und verpfändete ihm für den Fall, daß er in der Zahlung säumig sein sollte, sein Dorf Kidekarde mit 13 Gesinden, im Kirchspiel Allendorf gelegen, bis zur richtigen Auszahlung.

Ueber Johann's Familienverhältnisse war man bisher sehr wenig unterrichtet, indem nur zwei Töchter bekannt waren. Aus den Urkunden im Staatsarchive zu Königsberg und dem kurl. Ritt. Archiv ergeben sich wenn auch nicht mit voller Sicherheit, noch eine Tochter und mehrere Söhne.

Seine Gemahlin war Anna von Plettenberg aus Lude.

a. Gertrud; sie heirathete

1. Georg von Rosen zu Hochrosen, Johann's Sohn".

2. Christoffer Uexküll von Kirkotta uud Aunack.

b. Elisabeth; sie heirathete Otto vou Grotthuß, der 1577 todt war, und vereinbarte sich 1577 am 24. Juni mit ihren Kindern
über den Nachlaß ihres sel. Mannes.

c. Anna, heirathete Johann Grothus, der 1550 lebte.

1. Georg, gest. 1560, s. A 55, 1.

2. Albrecht, s. A 55, 2.

  1. Otto, gest. 1618, s. A 55, 3.

A 55, 1. Georg, wahrscheinlich Johann's VII. (H. 55) Sohn, gest. 1560.

Weder von ihm noch vou den beiden folgenden Personen läßt es sich mit Sicherheit nachweisen, wessen Söhne sie gewesen, und nur ihre Beziehungen zu Preußen machen es wahrscheinlich, daß Johann ihr Vater war. Jedenfalls kann Georg nicht der Sohn des Georg v. U. auf Neumünsterberg sein, der erst 1560 heirathete. Außer der Nachricht über seine Ermordung in Riga ist über ihn Nichts bekannt; über das gewaltsame Ende seines Lebens aber wurde vor dem fürstlichen Hofgerichte in Königsberg im Auftrage des Herzogs der herzogliche Rath und Kammerdiener Friedrich von Kanitz verhört, dessen Aussage im Wesentlichen so lautet:

Als von mir Fridrich Canitzeu begert wird, meine wissenschafft [zu bekennen], wie sich der vnfall vnd todtschlag zwischen Johan von Tisenhausen vnd Georg von Vngern seligen zugetragen, kan ich souiel mir bewost anders nicht [als Folgendes] sagen:

Wie ich [ Friedr. v. Kanitz) Johann von Tiesenhausen zu der Naben zu Riga In meine herberch zum abentessen gebetten, dohin er dan komen, Ist Georg von Vngern nach Ihme vngefordert auch In meine herberch komen vnd mit an tische gesessen, vndt [hat er] bald Im anfang mit eynem burger, so meines wirts schwager, einen hader angefangen, Denselbigen sampt dem ganzen Rat in Riga vnd allen burgern vor Schelmen, Bosewicht vnd verrether gescholten. Darob sie dan zu Handgriffen komen, Vngern seliger eine pux, so er an der gurtel getragen, herfur gerissen vnd domit den burger vberraschen wollen, welchs doch yhme gewehrt vnd vnternomen, Also das es auch darnach bald zur stunde durch Johan von Tisenhausen, welcher sich dorin Vngerns halben vleyssig bemuhet, hingelegt vnd vertragen.

Nicht lang aber darnach hat gedachter Vngern seliger mit Johan von Tisenhausen einen newen Hader angefangen dergestalt, das er anfenglich auff einen von Rosen, des Tisenhausens verwandten freunde, hefftig gescholten, darnach auff alle Eyfflender vnd sein eigen geschlecht, vnd das es yhme leydt, das er ein Eyffleuder vnd einer von Vngern geboren, ganz verechtliche reden gefürt. Endtlichen hat er Tisenhausen allein vor sein person mit vielen vnnüzen schmereden angriffen, welchs Tisenhausen lange geduldet. Er aber hat nicht abgelassen vnd ferner yhn auff seine Mutter gewiesen mit dergleichen ganz vngeburlichen Worten.

Do denn Tisenhausen auch zu letzt erzurnett vnd yhme darauff mit zorniger Antwort begegnet, hat Vngern baldt ein glas auf dem Tische erwischt. In meynung, Johan von Tisenhausen domit zu verlezen, welchs Ihme aber durch Walter Tisenhausen, Johanns vettern, so bey gedachtem Vngern gesessen, gewehret.

Als sie sich mun beyde umb das glas also gerissen vnd [dasselbe] einander in henden, zubrochen, hat Vngern einen krug mit Bier erwischt vnd nach Johann Tisenhausen geworffen. Do ist erst Johann Tisenhausen vom tische auffgestanden vnd [hat] zu seinem vngluck einen auffstecker(Scheint ein langer Spiess zu sein) erwischt Georg von Vngern aber nach der puxen, welche in dem ersten tumult yhme genomen vnd aufs den Kamenrick(Brettüber dem Kamin) gelegt, greyffen wolle.

Ehe er aber dazu komen. Ist er von Johan Tisenhausen mit dem auffstecker ein mall In kopff vnd zwier In die brust geschlagen worden, darob er auch baldt darnach verstorben, Vndt ob es woll an keynem vleys gemangelt, sie voneynander zu bringen vnd solch vngluck zn wehren, darob ich auch selbst von Tisenhausen In die eine handt gestochen, hatt es doch leyder nicht geholffen. Ist also gedachter Tisenhausen, hochlich von dem Vngern dazu gevrsacht vndt gedrungen, zu solchem vufall komen.

A 55, 2. Albrecht, wahrscheinlich Johann's VII. (A 55) Sohn.

Dieser bisher unbekannte Mann war nach Mülverstedt's Excerpten im Kreise Rastenburg begütert.

A 55, 3. Otto, vielleicht Johann's VII. (A 55) Sohn, gest. 1618.

Man hat vermuthet, daß dieser Otto, von dem nur dürftige Nachricht auf uns gekommen ist, ein Sohn Wolmar's V. (A 76) gewesen sei; doch ist nicht unwahrscheinlich, daß er Johann VII. v. U. angehört habe.

Er war 1618 verstorben und wurde mit seiner Hausfrau am 19. April iu Frauenburg beeidigt, wofür der Kirche noch eine Zahlung von 90 Mark unberichtigt blieb.

A 56. Wolmar III., Georg's IV, (A 40) Sohn, auf Orellen, Dompropst 1527. 1554.

Wolmar scheint ein Sohn Geurg's IV. aus erster Ehe gewesen zu sein und kommt in der Lebensbeschreibung seines Vaters so vielfach vor, daß wir auf dieselbe verweisen müssen. Hier sei nur kurz wiederholt, daß er, zum Geistlichen bestimmt, früh in das Domkapitel zu Hapsal trat und 1527 Dompropst wurde, nachdem der frühere Propst, Georg v. Tiesehausen, in demselben Jahre zum Bischof von Reval ernannt war. Sein Vater hatte sich vergeblich bemüht, ihm eine Dompropstei in Riga und das Bisthum Oesel zu verschaffen; er nahm ihn 1533 mit nach Deutschland und reiste mit ihm 1534 von Prag aus nach Speier, um sowohl die Angelegenheiten seines Herrn, des Markgrafen Wilhelm von Brandenburg, als seine eigenen dort im Reichskammergericht zu ordnen. Wolmar begleitete seinen Vater nach Rom und war bei dem Tode desselben in Padua zuqegen, wie aus seinem Schuldscheine hervorgeht über eine Summe, die er in Padua aufgenommen. Dieser von ihm selbst unterschriebene, aber, cum sigillum meum desit, nicht untersiegelte Schein ist in der herzoglichen Kanzlei zu Königsberg ins Reine geschrieben am 24. Juni 1535, aber datirt aus Onolzbach vom Freitage ascensionis domini (1. Mai). In demselben bekennt „VVolmarus de Ungeren, baro, Dompropst zu Oesel", von A. v. Leckow auf den Wechsel des Markgrafen Wilhelm nach Rom 50 Kronen empfangen zu haben, „so er mir nach Padua überschrieben", ferner, als er von Padua heim nach Livland zieheu wollte, 82 Kronen 8 Mercell (?) zur Aufrüstung und zum Pferdekauf und 17 Kronen 4 Mercell zur Reise nach Ansbach, also 150 Kronen, die er dem Markgrafen Wilhelm nebst der Anleihe bei Markgraf Georg baldigst zurückzuzahlen verspricht, mit seinen Gütern dafür haftend.

Die Rückreise machte er über Ansbach, wo ihm der Markgraf Georg 20 rhein. Gulden zur Weiterreise aus seiner Reutkammer vorstreckte, und befand sch zu Johanni 1535 in Königsberg. Um seine Reise in die Heimath fortsetzen zu können, mußte er nochmals eine Anleihe von 8 1/2 rhein. Gulden machen, die er ebenfalls dem Markgrafen Wilhelm wieder zu ersetzen hatte.

Nach seiner Rückkehr nach Livland vernahm der Dompropst Wolmar, daß nach des Markgrafen Wilhelm Abzng aus der Wiek am 30. September 1534 der Bischof Reinhold ihm seine Dompropstei Heimi oder Echmes confiscirt habe, und trotz aller Bemühungen seines Fürsten und seiner Mutter hat er dieselbe nicht wieder erhalten.

Als der Markgraf 1539 Erzbischof von Riga geworden, blieb Wolmar in den Diensten dieses milden, liebenswürdigen Fürsten, der für die Kinder seines treuen Rathes Georg v. Ungern väterlich sorgte.

Markgraf Wilhelm, obgleich katholischer Erzbischof, war doch der durch Luther gereinigten Lehre so zugethan, daß er stets einen lutherischen Priester als Seelsorger bei sich hatte, was auch auf Wolmar von Ungern nicht ohne Einfluß geblieben ist, denn nebst seinen beiden leiblichen Brüdern schloß er sich dem lutherischen Bekenntniß an, während seine Brüder Otto und Fabian im Dienste des katholischen Königs von Polen blieben.

In schon vorgerücktem Alter trat er in den Ehestand, und nachdem schon 1537 sich seine Mutter mit seinen Brüdern aus einander gesetzt und er 1540 seinem Bruder Jürgen einen Auftragsbrief gegeben hatte, stellte er 1555 seinem Stiefbruder Otto IV. einen Verlaßbrief aus, in welchem er ihm seine Ansprüche auf Pürkel gegen eine Cessionssumme überließ. Die vom Papste seinem Vater verliehene silberne Rose nahm Wolmar v. Ungern nicht in sein Wappen auf, wie Dies auch seine Brüder nicht thaten. Auch den hier im Lande ungewöhnlichen Titel eines Freiherrn führte von allen seinen Brüdern nur Otto v. Ungern als Besitzer der Freiherrschaft Pürke!, die anderen Brüder nannten sich Herren von Pürkel, was auch allmählich in Vergessenheit gekommen sein mag.

Wolmar scheint sich später zurückgezogen und nur seiner Familie gelebt zu haben. Er erreichte ein hohes Alter, und noch 1570 wurde ihm sein Sohn Otto geboren.

Seine Gemahlin war Margaretha Rostiger zu Orellen, Tochter des Barthold Rostijerwe und der Anna Grünewald. Sie lebte noch als Wittwe 1587.

Nach einer Stammtafel der Familie Tiesenhausen war um 1539 ein Wolmar v. U. verheirathet mit Anna von Tiesenhausen, Johann's Tochter, War diese vielleicht seine erste Frau? Oder sind hier zwei verschiedene Personen identificirt worden?

1. Georg XII,, gest. c. 1627, s. A 71.

a. Tochter, heirathete Jan X. von Ungern (B 67) zu Tadolino.

2. Otto V., gest. 1646, s. A 72.

3. Wolmar IV., gest. 1601, s. A 73.
b. Anna Magdalena.

A 57. Otto IV., Georg's IV. (A 40) Sohn, auf Pürkel, gest. c. 1577.

Otto IV. und Fabian II. waren die Söhne Georg's IV. aus seiner zweiten Ehe mit Godele von Hastfer aus Kostifer

1. Otto's v. Ungern Jugend.

Bei seines Vaters Tode scheint er noch jung gewesen und zu dem Haufen unerzogener Waisen gehört zu haben, mit welchem die arme Wittwe in die größte Noth gerathen war.

Herzog Albrecht erbot sich gegen sie, ihren Sohn Otto in Königsberg erziehen zu lassen, doch hinderten sie fürs Erste noch die Gefahren der Reise, dies freundliche Versprechen anzunehmen, und es ist ungewiß ob es später dazu gekommen ist.

Im Vorhergehenden haben wir gesehen, daß Otto's Stiefbrüder ihm ihre Rechte auf Pürkel mit Vorbehalt der gesammten Hand an dem Gute gegen eine Abfindungssumme cedirten. Dasselbe that auch sein leiblicher Bruder Fabian 1548 und schrieb sich wie seine Stiefbrüder nur Herr von Pürkel, während Otto mit der Freiherrschaft den vollen Titel führte. Zu öffentlichen Geschäften wurde Otto von Ungern herangezogen, da er am 10. April 1554 vom Erzbischof Wilhelm nebst dem Stiftsvogte und den Gesandten des Ordensmeisters an den Rath zu Riga als Kommissär abgefertigt wurde, um über den Wallbau um die Stadt, sowie über die Wage und Wrake Erkundigung einzuziehen und das Recht der Oberherren zu wahren

2. Ende des Ordensftaats.

Da Otto v. Ungern mehrfach in die Wirren seiner Zeit mit verwickelt war, so scheint hier der geeignete Ort zu sein, um den abgerissenen Faden wieder aufzunehmen und einen Blick in die damalige Geschichte Livland's zu thun.

Wir sahen, wie das verblendete, in Sicherheit und Völlerei versunkene Livland noch im letzten Augenblicke die rettende Hand zurückwies die es vor dem Wetter schützen wollte, welches von Moskau her drohend heranzog, Markgraf Wilhelm von Brandenburg trat mit seinem Vetter, König Sigismund August von Polen, in Unterhandlung, um mit Consens des Landmarschalls des deutschen Ordens, Kaspar Münster, Livland unter den Schutz Polens zu stellen. Auch erwählte er, um von Seiten der deutschen Fürsten sich noch mehr Schutz zu verschaffen, den Herzog Christoph von Meklenburg zum Coadjutor, der 1555 am 25. November nach Riga kam und von allen Ständen des Stifts feierlich empfangen wurdet. Der OM, H. v. Galen erklärte diese Wahl für ungesetzlich, da 1546 zu Wolmar bestimmt sei, daß ohne Einwilligung sämmtlicher Stände kein deutscher Fürst als Coadjutor in's Land gerufen werden solle, und drohte mit Krieg. Auf den Protest des Königs von Polen berief er zum 21. Februar 1556 wiederum eine Tageleistung nach Wolmar, wohin der Erzbischof seine Boten sandte, zu denen auch sein Rath Otto v. Ungern gehörte. Ungeachtet diese ernstlich remonstrirten, wurde doch auf Antrag des OM. einhellig beschlossen den Erzbischof so lange für einen Feind des Landes zu halten, bis er die Wahl des Coadjutors annullirt habe.

Markgraf Wilhelm bat seinen Bruder Albrecht um Hülfe, aber sein Brief wurde aufgefangen und, obgleich derselbe in ungewöhnlichen Charakteren geschrieben war, doch sein Inhalt durch einen Schreiber ausgeklaubt. Darauf zog der Coadjutor des OM., Wilhelm v. Fürstenberg vor Kokenhusen und zwang den Erzbischof nebst dem Herzog Christoph am 28. und 30. Juni 1556, sich zu ergeben. Ersteren führte man nach Smilten und dann nach Adzel, wo er in einem gar nicht fürstlichen Gefängnisse keineswegs seinem hohen Stande gemäß unterhalten wurde. Herzog-Christoph mußte zu Treiden in Arrest bleiben.

Erst auf die dringende Forderung des Königs von Dänemark und die Drohung des Königs von Polen, der seine Armee mit der preußischen an die Gränze rücken ließ, wurden beide Fürsten entlassen, uud die livländischeu Stände mußten noch dem Könige die Kriegskosten ersetzen, die er auf 60000 Thaler berechnete. Um diese zu beschaffen, war ein Landtag nach Riga zum 14. September 1557 berufen worden, auf welchem der Adel des Erzstiftes sich durch Otto Ungern von Pürkel vertreten ließ.

Kaum war mit den Polen ein Vertrag geschlossen, so brach der Russe im Januar 1558 verheerend in Livland ein, und der morsche Ordensstaat brach zusammen.

Nachdem Sigismund August am 28. November 1561 zu Wilna den Livländern ihre Privilegien bestätigt, ihnen Religionsfreiheit und ihre alte Verfassung zugesagt und beschworen hatte, erfolgte am 5, März 1562 die Huldigung zu Riga, bei der die Stadt einen bedingten Eid leistete. Der nunmehrige Herzog Kettler von Kurland wurde zum Administrator des überdünischen Herzogthums ernannt, denn diesen Namen trug fortan das polnische Livland.

Auf die Bitte des Erzbischofs ertheilte G. Kettler am 27. Februar 1561 Otto von Ungern zu Pürkel das Hölzungsrecht in der Sara'schen Wildniß, was wohl einer der letzten Acte des letzten Ordensmeisters ge-wesen sein mag. Am 16. Nov. 1562 stellte der letzte Erzbischof Riga's seinem lieben, getreuen Rathe Otto von Ungern, Herrn zu Pürkel, ein Transsumt des Schutzbriefes aus, den Karl V. 1531 seinem Vater Georg von Ungern ertheilt hatte, damit das Original auf seinen Reisen nicht Schaden leide.

Die Reise ging nach Petrikau, wohin Otto Ungern nebst Heinrich Tiesenhausen zu Bersou und Johann Rosen zu Rope gesandt wurde, um die Interessen des Erzstifts auf dem Reichstage daselbst zu vertreten. Hier erhielten sie die Nachricht, daß der alte Markgraf Wilhelm am 4. Februar 1563 seine müden Augen geschlossen habe, worauf auch das Erzstift mit Polen vereint und unter die Administration Kettler's gestellt wurde. Dieser setzte Heinrich von Tiesenhausen zum Kastellan von Kokenhusen und die übrigen Schlösser des Erzbischofs und den tapferen Kaspar von Oldenbokum, einen ehemaligen Ordensritter, zum Kastellan von Salis und Treiden ein.

Aber noch hatte die kleinliche Eifersucht zwischen dem Adel des Erzstifts und den vormaligen Ordensrittern nicht aufgehört. Denn jener, zum Theil katholisch gesinnt, drang so lange in den König Sigismund August, bis er seinen Bitten nachgab, 1566 den Herzog Kettler der Administration über Livland enthob und an seine Statt den Polen Johann Chodkiewicz einsetzte, was direct der Capitulation widersprach. Denn in seinem Gnadenbriefe und der Bestätigung durch Nikolaus Radziwil vom 1. März 1562, wie auch in der ewigen Einigung zwischen Littauen und Livland vom 26. December 1566 war festgesetzt worden, daß nur ein Livländer oder ein Littauer, der die deutsche Sprache verstehe, Administrator sein solle, daß alle Aemter Eingebornen anvertraut und die Verhandlungen in deutscher Sprache geführt werden sollten. -- Somit hat denn der Adel Livlands selbst die erste Bresche in seine Privilegien gebrochen, was er bald bitter bereuen sollte.

Chodkiewicz, zum Dictator in Livland ernannt, zog mit großem Gepränge ein und berief sofort einen Landtag nach Riga. Auf diesem wurde beschlossen, daß Livland zwar untreunbar mit Littauen vereint, aber ausschließlich die lutherische Religion und deutsche Amtssprache in dem überdünischen Herzogthum gebraucht werden solle. Bei der Bestätigung dieses Recesses ertheilte der König Livland sein jetziges Wappen, den silbernen Greif im rothen Felde.

Der mißliebige Kaspar v. Qldenbockum wurde von dem polnischen Dictator abgesetzt und statt seiner der ehemalige Rath des Erzbischofs, Otto von Ungern zu Pürkel, zum Kastellan von Treiden ernannt, in welcher Stellung er sich lange zu halten wußte.

Da Riga sich nicht unbedingt Polen unterwerfen wollte, belagerte Chodkiewicz 1567 die Stadt, konnte sie aber nicht bezwingen. — Der König schrieb 1569 einen Reichstag nach Lublin aus, zu welchem die Stande von Livland ebenfalls aufgefordert wurden. Um dem Willen des Königs nachzukommen, hielt die Ritterschaft mit den Städten 1569 am 15. Mai einen Landtag zu Wenden. Hier wurden als Vertreter erwählt: 1) der frühere Domdechant, jetzt königlicher Kastellan oder Schloßhauptmann zu Riga, Jakob Meck, 2) der Hauptmann zu Treyden, Otto von Ungern auf Pürkel, 3) der Landrath Johann von Münster, 4) Nembert Geilsheim, I)r. beider Rechte, königlicher Rath und Landrichter, 5) Dietrich Aderkas und 6) Lorenz Offenberg, welche als Landboten oder nincii ducatus Livoniae ultradunensis nach Lublin kamen und dort an den Verhandlungen über die Vereinigung Littauens und Livlands mit Polen Theil nahmen.

Da die Deputirten sich bedachten, den von ihnen geforderten unbedingten Eid zu leisten, so versprach ihnen der König, die livlandischen Privilegia auf dem nächsten Landtage zu bestätigen. Am 6. August 1569 wurden Littauen und Livland untrennbar mit Polen verbunden.

Um dem ewigen Blutvergießen in Livland zn steuern, vermittelten der Kaiser Maximilian II., König Karl IX, von Frankreich und der Kurfürst August vou Sachsen am 13. December 1570 zu Stettin einen Frieden zwischen Schweden, Polen und Dänemark, der aber nicht lanqe Bestand hatte.

3. Einfälle der Russen.

Am 7. Juli 1572 erlosch mit König Sigismund August der Jagellonenstamm, und die Russen benutzten die nun eintretenden Unordnungen bei der Königswahl in Polen, um Livland grausig zu verwüsten. Nachdem Pernau 1575 von ihnen erstürmt worden war, fielen auch Pürkel, Eichenangern, Salis und Burtneck in ihre Hände, und der mit ihnen auf 3 Jahre geschlossene Waffenstillstand wurde alsbald wieder gebrochen. Am 9. März 1575 meldete Otto von Ungern den Kastellanen und der Ritterschaft zu Wenden, daß eine feindliche Schaar sich Pürkel nähere und sich in Salis befestige. Allen Ernstes forderte er dieselben auf, solchen Bau zu hindern damit nicht ganz Livland dem Feinde zur Beute werde. Da ihm keine Unterstützung zu Theil wurde, mußte Pürkel fallen.

Der Chronist macht über Pürkel die malitiöse Bemerkung, Otto von Ungern, einer von den Kastellanischen, habe sein Haus dem Muskowiter ohne Noth aufgetragen. Die Aussicht, lebendig gebraten zu werden, war gerade nicht sehr verlockend zur hartnäckigen Vertheidigung eines nicht sehr festen Schlosses. Auch geht aus Otto's Schreiben vom 9. und 10. März' hervor, daß es ihm keineswegs an Muth gegen den Feind zu kämpfen, sondern nur an hinreichender Unterstützung gefehlt habe.

Die neuen Könige von Polen Heinrich und Stephan hatten mit anderen Dingen, letzterer namentlich mit der Belagerung Danzigs, soviel zu thun, daß sie sich mit Livland nicht beschäftigen konnten. Desto eifriger beschäftigte sich aber Iwan, der Schreckliche, mit diesem unglücklichen Lande, Nachdem er Reval vergeblich vom 23. Januar bis zum 13 März 1577 belagert hatte, durchzog er wuthschnaubend Livland, welches er zwar bis auf Riga eroberte, aber auch so verwüstete, daß er es im Herbste verlassen mußte, weil seine Schaaren dort nichts mehr zu essen fanden.

Nach dem Abzuge der Russen eroberten die Livländer mehrere Schlosser namentlich Wenden, wieder zurück, wobei viele Gefaugene gemacht wurden. Der russische Statthalter auf Pürkel forderte den Rath von Riga auf, den von Kaspar Buddenbruck gefangenen Bojarensohn Andrey Gregoriewitsch Samarin auszulösen. Der Brief ist datirt aus unsers Herrn Kaisers väterlichem Erbe auf dem Hause Pürkel im Jahre 7087, den 23 August (1578). Endlich verbanden sich die Polen und Schweden zur Vertreibung der Russen aus Livland, vereinigten sich am 21. October 1578 bei Mojahn, setzten über die Aa, sangen knieend das Lied: „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält", und schlugen bei Wenden die große Uebermacht der Russen so total, daß ihrer 6000 Mann auf dem Platze blieben und alles Geschütz den Siegern in die Hände fiel, während sie selbst kaum 100 Mann verloren hatten. Aus dem deutschen Liede erkennt man übrigens, daß unter den Polen und Schweden wohl viele Livländer gewesen sind, die bei größerer Einigkeit sicher dem Feinde zu widerstehen im Stande gewesen wären.

Der König Stephan vertröstete wiederholt das hart mitgenommene Land mit dem Versprechen, sobald er die Russen aus Livland vertrieben habe, solle Jeder zu seinen Gütern kommen und, wer sich im Kriege ausgezeichnet habe, reichlich belohnt werden. Daher möchten Alle nur treu bei ihm ausharren. Wie Stephan sein Wort hielt, sollte man bald erfahren. Die Polen eroberten Polozk und drangen tief in das Gebiet von Witebsk und Pleskau ein, während die Schweden unter Pontus De la Gardie und dessen Unterfeldherren Karl Horn und Georg Boye 1580 und 81 ganz Ehstland wieder gewannen, Ingermanland und Karelien eroberten und plündernd bis Nowgorod vordrangen. Auch die Livländer nahmen den Russen 1581 Pürkel, Salis und andere Schlösser wieder ab.

Diese Verluste bewogen Iwan, den ältesten Sohn Iwan's des Schrecklichen, seinen Vater zu bitten, falls er nicht selbst in's Feld ziehen wolle, ihm das Heer anzuvertrauen, um die Feinde aus Rußlands Gränzen zu jagen. Diese Worte kosteten den jungen Mann das Leben, — der Wütherich erschlug seinen Sohn.

König Stephan zog aber vor Pleskau und belagerte die Stadt, an welchen Kämpfen auch Gottschalk II. von Ungern (B 60) sich betheiligte. Da Pleskau hartnäckigen Widerstand leistete, bot Pontus De la Gardie dem Könige Hülfe an; doch dieser schlug sie aus, weil er den siegreichen Schweden nicht zu Dank verpflichtet sein wollte. Indeß waren die Erfolge dieser Heerführer so bedeutend, daß der Zar endlich einsah, er werde beiden Feinden nicht gewachsen sein, und einen Frieden suchte. Um denselben zu vermitteln, sandte der Papst den gelehrten Jesuiten Anton Possevin, der nach langwierigen Verhandlungen am 15. Januar 1582 den Frieden zu Zapolsk zwischen Polen und Rußland vereinbarte. Polen erhielt ganz Livland und Polozt und gab seine übrigen Eroberungen zurück, Schweden aber behielt, was es bisher eingenommen hatte.

4. Stephan Bathory.

Nach der kurzen Regierung Heinrich's von Valois (1572-74), der als König von Frankreich 1589 starb, entbrannte der Wahlkampf zwischen den Parteien Polens auf's Neue, und erst am 14. December 1575 wurde Stephan Bathory, bisher Fürst von Siebenbürgen, zum Könige erwählt. Am 1. Mai 1576 gekrönt, wandte er sogleich alle Kraft auf Sicherung seiner Glänzen, und nachdem er den Frieden mit Rußland erzwungen, suchte er in seinem aus so verschiedenartigen Theilen zusammengesetzten Reiche größere Einheit herzustellen, wobei er nur zu sehr den Jesuiten seine bisherige Duldsamkeit zum Opfer brachte.

Auf Possevins Betrieb wurden die nach Rußland geführten Livländer nicht ausgewechselt, weil sie Ketzer seien, und das nunmehr von Polen eroberte Livland an Katholiken vertheilt werden müsse. Demnach berief Stephan Ausländer, vorzüglich Polen, nach Livland und besetzte die wüsten Städte und Ländereien mit ihnen. Auch in Riga wurden Versuche gemacht, die seit 50 Jahren allgemein angenommene Lehre zu beschränken, und zwei Rathsherren ließen sich verleiten, dem Könige für den katholischen Gottesdienst zwei Kirchen zuzusagen, von denen auch wirklich die eine, die St. Jakobskirche, den Jesuiten eingeräumt wurde. Die Stadt hatte nämlich etwa 20 Jahre eine fast ganz freie Stellung eingenommen, doch gegen das Versprechen der Bestätigung ihrer Privilegien und der Erhaltung der lutherischen Lehre öffnete sie dem Könige ihre Thore und willigte in die Abtretung der Kirche.

Am 12. März 1582 zog der König feierlich in Riga ein, und das arme Livland jauchzte seinem Befreier zu. Riga wurde im Ganzen glimpflich behandelt, indem er der Stadt ihre Privilegien und Rechte bestätigte, den Adel aber verwies er auf einen Landtag, auf dem die Wünsche des Landes zur Verhandlung kommen sollten. Nur wenige begünstigte Männer, wie Fabian von Ungern, erhielten ihre den Feinden abgenommenen Güter zurück. Von Riga aus schickte Stephan Gesandte nach Schweden, die unter Anderem Johann III. auffordern sollten, mit ihm gemeinschaftlich die leichtfertigen Livländer auszurotten und das Land in Ehstland und Livland an Katholiken zu vergeben. König Johann war zwar selbst durch seine Gemahlin Katharina Jagellonica und durch Possevin dem katholischen Ritus so geneigt, daß er sich heimlich dem Papste anschloß, doch ging er auf Stephan's sauberen Vorschlag nicht ein, sondern veröffentlichte ihn. Dieser Schritt machte viel böses Blut, doch wollten die Livländer nicht daran glauben, da sie ihrem Könige solche Wortbrüchigkeit nicht zutrauten.

König Stephan setzte den Cardinal Radziwil zum Administrator Livlands ein und stiftete in Wenden ein reich dotirtes katholisches Bisthum. Das Land wurde in drei Woiwodschaften, Wenden, Dorpat und Pernau getheilt. Jede erhielt außer dem Woiwoden auch ihren Unterkammerer (succammerarius), der die Gränzen der Güter zu ordnen hatte, sowie ihren Fähnrich, der die Adelsfahne führte, und endlich ihr eigenes Landgericht, von welchem an den gerichtlichen Landtag appellirt werden konnte, der zweimal jährlich in Wenden saß. Dieser bestand aus Kronsbeamten und Abgeordneten der Städte Riga, Dorpat, Pernau und Wenden; der Adel war auf demselben unvertreten. Landtage nach alter Art sollten nur gehalten werden, so oft der König es für gut befinde, solche zu berufen; auf denselben sollten Landesangelegenheiten mit der Ritter- und Landschaft zur Berathung kommen. Der auf diese Art systematisch ruinirte Adel sandte im November 1582 Deputirte zum Reichstage nach Warschau. Der König empfing sie nicht, sondern ließ sie wieder ans den Landtag vertrösten. So rächte eine furchtbare Nemesis die frühere Schuld; denn eines ganz ähnlichen Verfahrens hatten sich die Stände Livlands gegen den Markgrafen Wilhelm und dessen Anhänger schuldig gemacht.

Die Verfolgung des lutherischen Adels bewog endlich den alten Herzog Kettler von Kurland, dem Könige ernste Vorstellungen zu machen. selbst als Ordensmeister habe wie der Markgraf Wilhelm als Erzbischof ihren Unterthanen nur deshalb angerathen, sich Polen zu unterwerfen, weil Sigismund August ihnen Religionsfreiheit zugesichert und ihre alte Verfasfung beschworen habe. Doch der König beachtete diese Warnungen nicht, denn der Jesuit Possevin, dem er sein Vertrauen geschenkt hatte, verhinderte jede Rücksicht auf die den Lutheranern beschworeneu Rechte' Obgleich Stephan früher selbst lutherisch gewesen war, sah er jetzt das Heil des Reichs nur in der Ausrottung der protestantischen Lehren. Und nicht nur in Livland, auch in Littauen und Polen wurde die Protestanten mit gleichem Eifer verfolgt. Auch hier hatte sich unter den letzten Jagellonen die Reformation so verbreitet, daß der Jesuit Skraga klagend berichtete, den Katholiken seien von den Ketzern 2000 Kirchen abgenommen, außer der großen Zahl, die sie sich selbst erbaut hätten.

Als sich 1570 die Lutheraner und Reformirten nun gar vereinigten, mußte ihnen 1573 völlige Religionsfreiheit eingeräumt werden. Dieses lockte zahlreiche Colonisten in's Land, und Polen nahm in gewerblicher, wie geistiger Hinsicht einen Aufschwung wie nie zuvor.

Aber diese hoffnungsreiche Saat verdorrte gar bald unter dem eisernen Scepter Stephan's, den die Geschichte als einen der größten Könige rühmt. Die Jesuiten fachten den confessionellen Hader unter den Protestanten an und brachen mit Gewaltthaten ohne Maß und Zahl in ihre nun geschwächten Reihen. Das Wort des Jesuiten Orzekowsky: „Besser ist es, das Land den Moskowitern, als den Ketzern zu überlassen", hat seine buchstäbliche Erfüllung gefunden. Denn bei der ersten Theilung waren in Polen nur noch zwei lutherische Kirchspiele übrig, und die Jesuiten hatten aus den ritterlichen Polen Landesverräther, Mörder und Meineidige gemacht.

Auch in Livland brauchten sie dieselben Waffen, aber hier trafen sie, Gott Lob, auch Männer, die das Unglück gestählt, nicht gebrochen hatte. Im März 1583 wurde endlich der oft versprochene Landtag gehalten, und der Cardinal-Statthalter Radziwil eröffnete denselben etwa mit folgenden Worten:

Leider hat Se. Majestät der König sich überreden lassen, das Augsburger Bekenntniß in Livland zu dulden, aber Amt, Stand und Gewissen nöthigt mich, auf dem nächsten Reichstage dagegen zu Protestiren. Der Landschaft habe ich zu eröffnen, daß der König alle Belehnungen früherer Herren bis auf die von dem letzten Erzbischof und Ordeusmeister ertheilten bestätigt. Aber der Adel hat seine Burgen zu schleifen, weil sie in Kriegszeiten das Land zu schützen zu schwach sind und doch dem Feinde Zufluchtsörter und feste Plätze darbieten. Endlich habe ich noch mitzutheilen, daß eine Revision abgehalten werden soll, damit man erfahre, mit welchem Rechte ein jeder sein Gut besitze.

Nach dreitägiger Berathung antwortete die Landschaft: „Mit freudigem Danke haben wir vernommen, daß der König unseren Glauben anerkannt hat. Den Cardinal aber ersuchen wir freundlichst, seinen Eifer gegen denselben fahren zu lassen, weil er weder unser Herr noch Kirchenpatron, sondern nur unseres Königs Statthalter ist. Was aber die Nichtbestätigung der Lehnguter betrifft, so appelliren wir von einem übel berichteten an einen besser zu berichtenden König, Denn falls die Lehnbriefe des Markgrafen nicht geachtet werden, so müssen wir diesem edlen Herrn schlecht danken, weil er uns vornehmlich dazu gebracht hat, unser Land Polen zu unterwerfen. Ebenso steht es mit dem noch lebenden Herzoge von Kurland, der ganz Livland freiwillig an Polen abgetreten hat; gelten schon jetzt seine Briefe und Siegel nicht mehr, was haben wir erst vom Könige zu erwarten, wenn jener greise Fürst sein Haupt im Tode geneigt? Dann hat ja alle Scham ein Ende! König Sigismund hat durch seinen Statthalter Chodkiewicz nicht Kronsgüter verschwenden lassen, sondern sie nur an solche Männer vergeben, die der Krone Polen große Summen vorgeschossen, oder sich durch Tapferkeit ausgezeichnet haben. Ja, König Stephan selbst hat uns wiederholentlich zugesichert, nicht nur die bisherigen Belehnungen bestätigen, sondern noch andere ertheilen zu wollen, sobald die Russen vertrieben seien. Sind die Früchte des Friedens, zu welchem wir Alle ehrlich mitgewirkt, keine anderen als diese, dann müssen wir uns ja vor ihnen entsetzen. Im Auslande aber wird solches Thun den Ruhm des Königs verdunkeln, und Jeder dort solche Tyrannei verdammen.

Unsere Burgen aber können und wollen wir nicht schleifen, weil diese der einzige Schutz gewesen sind, als Polen Livland nicht schützen konnte. Auch ist es alter deutscher Brauch, daß nur der Lehnsmann sein eigenes Schloß brechen muß, der an seinem Fürsten zum Schelm und Verräther geworden. Da man Solches nun wahrlich uns nicht nachsagen darf, so wollen wir lieber sterben, als solch einen Schimpf uns selbst anthun. Uebrigens bedürfen wir auch jetzt der Schlösser gar sehr, um uns vor den polnischen Söldlingen zu schützen, die ohne Zucht und Ordnung im Lande umherstreifen. — Die angekündigte Revision aber ist uns sehr erwünscht falls Jeder nach seinen Beweisen behandelt wird".

Diese kühne Sprache der Vertreter Livlands gefiel dem Könige sehr übel. Wahrscheinlich steht es im Zusammenhange mit diesem Widerstände gegen die jesuitischen Zumuthungen, daß Christoph v. Ungern zu Fistehl (B 47), der zu den Hauptsprecher der Ritterschaft gehört haben mag, auf Befehl des Königs hingerichtet wurde.

Zur Landtagszeit langten zwölf Jesuiten in Riga an, die dem Rathe ein königliches Schreiben überbrachten und die menschenfreundliche, aufopfernde Gesinnung ihres Ordens in langer Rede rühmten. Livland selbst erklärten sie, habe schon eine Probe davon genossen, denn ihr Ordensbruder Possevin habe den glorreichen Frieden vermittelt, der sie jetzt beglücke. Obgleich der Rath gar anderer Ansicht war, so mußte er sich doch in das Unvermeidliche fügen, und die Jesuiten bezogen das ihnen eingeräumte Kloster. Von hier aus durchzogen sie das Land, hetzten die Bauern gegen ihre ketzerischen Herren auf, verläumdeten Adel und Bürger als schwedisch gesinnt, wodurch Mancher um Haus und Hof kam, und rühmten sich, bald jeden Ketzer aus Livland vertreiben zu wollen.

Gegen diese Umtriebe erhob der Pastor Johann von Dahlen zu Riga seine Stimme, aber die Jesuiten bewirkten, daß der Cardinal dem Rathe den Befehl ertheilte, den Pastor ihm zur strengsten Bestrafung auszuliefern. Als der Rath sich vergeblich bemüht hatte, Radziwil milder zu stimmen, nahm sich die Bürgerschaft ihres muthigen Predigers an und sandte dem Cardinal den Bescheid: „Schon vor Zeiten ist einmal ein Erzbischof auf ein Mutterpferd gesetzt und zum Thor hinausgeführt worden. Wenn Ihr uns des Wesens zu viel machet, könnte Euch wohl dasselbe passiren! Auch könnte es bald geschehen, daß den Jesuiten ihre weiß abgeputzte Kirche blutroth angestrichen würde. Diese kühnen Worte machten allem Streite ein plötzliches Ende.

Die Abgeordneten, die der Adel Livlands im Januar 1584 auf den Reichstag nach der Wilda sandte und die vom Könige gnädiges Gehör erbaten, wurden mit Hohn behandelt. Denn ein Knabe trat in die Versammlung und bat den König in lateinischer Rede, die Ueberseeischen, die sich in Livland gesammelt, ausrotten oder über das Meer zurücktreiben zu wollen, weil diese Provinz den Littauern gehöre, die sie mit schwerer Mühe erobert. Die zum Kinderspott gemachten Edelleute mußten abziehen, und nur um so eifriger betrieben die Polen das Einziehen ihrer Güter, um sie sich anzueignen oder Deutschen zuzuwenden, die ihrer Partei angehorten. Unter Anderen diente auch der berühmte Georg Fahrensbach, der früher unter russischer und dänischer Fahne gefochten hatte, jetzt dem Konige Stephan und bat sich die seinen Mitbrüdern abgesprochenen Güter aus. Er erhielt auch Schloß Karkus und wurde Woiwode von Wenden, verlor dagegen Oesel, wo ihn König Friedrich II. von Dänemark zum Statthalter eingesetzt hatte.

Im November 1584 traf der königliche Befehl in Riga ein, daß bei 1000 Dukaten Strafe sofort der gregorianische Kalender einzuführen sei. Die Bürger brachten diese veränderte Zeitrechnung mit den Umtrieben der Jesuiten in Verbindung, was zu so stürmischen Auftritten Veranlassung gab, daß die Rathsherren Welling und Tastius für das Abtreten der Jakobskirche noch nachträglich geköpft wurden, während es ihren Mitschuldigen gelang, zum Könige zu entfliehen".

Stephan Bathory, tief entrüstet, daß die Bürger es gewagt, zwei ihm so ergebene Männer ohne Urtheil und Recht hinrichten zu lassen, schickte Truppen gegen Riga und gebot dem ganzen Adel Livlands bei Verlust von Hab und Gut, persönlich unter Fahrenbach's Banner gegen Riga zu ziehen. Treu ihrem Schwüre folgten die mißhandelten Livländer dem Aufgebot und sammelten sich bei Neuermühlen. Doch nun hieß es: Bis hierher und nicht weiter! Denn ehe es zum Angriff kam, erscholl die Nachricht, der Köuig sei am 2. December 1586 zu Grodno plötzlich gestorben, — und fröhlich zog Jeder wieder heim. — Zu seinem Nachfolger wurde der Kronprinz von Schweden gewählt und als Sigismund III. am 27. December 1587 zu Warschau gekrönt.

5. Otto's v. Ungern Lebensende und Familie.

Nachdem wir die Polenherrschaft sattsam kennen gelernt, kehren wir zur Geschichte unserer Familie zurück, die alle Freuden und Leiden jener Zeit reichlich mitgenossen hat.

Was von Otto IV. zu Pürkel außer Obigem noch zu bemerken wäre ist entweder bereits in Georg's und Johann's (B 54. 55) Lebensbeschreibung angeführt worden oder wird im nächsten Abschnitte folgen.

Ueber das Todesjahr Otto's war bisher nichts Genaueres bekannt indessen läßt es sich aus einigen vor Kurzem im Archiv zu Dresden aufgefundenen Urkunden einigermaßen bestimmen. Der Kurfürst August von Sachsen nämlich verwandte sich im März 1585 auf die Bitte des Reimer v. Winterfeld bei dem Könige Stephan von Polen für Fabian von Ungern, indem er bat, daß demselben und seinem Bruder ihr Erbgut Pürkel restituirt werden möge, wie es kurz vorher mit Eichenangern geschehen sei. Fabian sei nach dem Tode des Vaters und nach Verwüstung seiner heimathlichen Güter nach Deutschland geflüchtet und habe daselbst acht Jahre zugebracht. Da nun dieser Fabian wegen seiner Ansprüche an Pürkel kein Anderer als ein Sohn Otto's gewesen sein kann, so muß Otto wahrscheinlich bald nach dem Verlust seiner Burg 1576 oder 77 gestorben sein. Es ist ohnehin auffallend, daß ein Mann, der eine so bedeutende Stellung innehatte, in den Jahrbüchern der Geschichte nach 1576 nicht ein einziges Mal genannt wird. Daher wurde auch das Gut nicht ihm, sondern, vielleicht in Folge der Fürbitte des Kurfürsten, seinen Söhnen restituirt.

Nach Otto's Tode hatte seine Wittwe, Anna Gutslef, einen Erbschaftsstreit mit Katharina von Zweifel, der Wittwe ihres Sohnes Jürgen IX. von Ungern (A 74). König Sigismund III. ernannte am 16. October 1592 eine Commission, welche diese Sache untersuchen uud ordnen sollte, weil bisher noch kein Gerichtshof in Livland vorhanden sei, wo dergleichen Streitigkeiten entschieden werden könnten.

Aus diesem Documente wie aus dem Schreiben des Kurfürsten August vom März 1585 geht hervor, daß der Kastellan Otto von Ungern schon längere Zeit vorher gestorben sein muß. Die Feststellung der Zeit seines Todes ist auch insofern wichtig, weil dadurch zwei Irrthümer, die sich in unsere Geschlechtsbücher eingeschlichen haben, zurechtzustellen sind:

  1. Reinhold von Ungern zu Tadolino (B 49), der angebliche Bruder des Kastellans, kann nicht am 5. October 1593 Otto seine Ansprüche auf Pürkel cedirt haben. Die Erbtheilung zwischen Otto IV. v. Ungern
    und seinen Brüdern war ja auch bereits vor 40 Iahreu erfolgt, daher sich die Cession wohl auf Fistehl bezogen haben wird.

2. Otto v. Ungern zn Pürkel kann nicht 1595 das Gut Tolben vou seinem Vetter Engelbrecht gekauft haben, weil Ersterer bereits todt war, der Andere aber damals nicht existirt hat. Aber 100 Jahre früher, 1495, fand ein solcher Kauf zwischen Otto II. und Engelbrecht v. U. wirklich statt. Otto's Gemahlin war:

Anna von Gutslev. Sie wird in der Stammtafel Kersten's Tochter genannt, dagegen heißt sie in einer Tabelle bei Dr.. Buchholz Georg's T., dessen Vater in den Stammtafeln im Ritterhause zu Stockholm Kersten genannt wird. Georg war Herr zu Puikel, Obrist zu Roß und vermählt mit Barbara von Rosen von Groß-Roop und Mojahn. Ist diese Angabe richtig, so war Anna die Stieftochter Gottschalk's I. von Ungern (B 45), der nach Jürgen Gutslev's Tode die Wittwe geheirathet hatte. Indessen würde wohl in der Vereinbarung am 22. October 1574 über Puikel und Limehn Otto von Ungern, der als Schiedsrichter dabei betheiligt war, auch als Miterbe genannt sein.

Daher ist wohl die Angabe der Ungern'schen Stammtafel als die wahrscheinlichere anzunehmen und Anna für die Schwester Georg's v. Gutslev zu halten, was auch mit den Zeitverhältnisseu ganz gut stimmt. Zwar wissen wir weder, wann Otto geheirathet hat, noch wann seine Söhne geboren sind. Da aber sein Sohn Georg schon vor 1592 ermordet war und einen Sohn hinterlassen, Fabian schon vor 1585 in Ungarn in Kriegsdiensten gestanden hatte, so mögen diese doch vielleicht schon um 1560 geboren sein, wenn auch Wolmar, der erst 1645 starb, ein jüngerer Bruder gewesen ist. Anna könnte also um 1530 geboren und um 1550 oder 60 vermählt sein. In dem Prozesse mit ihrer Schwiegertochter verglich sie sich durch ihren Sohn Johann IX. (A 75) mit derselben 1595 und starb etwa um das Jahr 1600.

Otto's Söhne waren:

1. Georg IX., um 1591 ermordet, s. A 74.

2. Johann IX. auf Korsäter, 1613, s. A 75.

3. Wolmar V. auf Pürkel, gest. 1645, s. A 76.

4. Fabian 1585, gest. S. 210.

5. (?) Wilhelm 1595, s. S. 210.